Valžhyna Mort  [ USA, Belarus ]

Biographie

Valžhyna Mort Portrait
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Ja tonen’kaja jak tvae vejki

Logvinau

Minsk, 2005

Tränenfabrik

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2009

[Ü: Katharina Narbutovič]

Valžhyna Mort wurde 1981 im weißrussischen Minsk geboren, lernte aber erst als Jugendliche nach dem Zerfall der Sowjetunion Weißrussisch. Sie studierte Anglistik an der Staatlichen Linguistischen Universität Minsk. Sie studierte Musik, da sie Musikerin werden wollte, und bereits mit 18 Jahren hatte sie angefangen, Gedichte zu schreiben. »Als ich aufhörte, Musik zu machen, habe ich eine andere Musik gesucht, und das war die weißrussische Sprache.« In Artikulation und Rhythmus folgt sie der Melodie ihrer Gedichte, deren Formen vom Kinderlied bis hin zu Anklängen an die Agitprop reichen, und nähert damit die Lyrik der Musik an.

2005 erschien in Minsk ihr erster Gedichtband »Ja tonen’kaja jak tvae vejki« (Ü: Ich bin so dünn wie deine Wimpern). 2008 folgte der Band »Factory of Tears« (dt. »Tränenfabrik«, 2009), in dem ihre Gedichte, bereits 2007 in schwedischer Übersetzung erschienen, in Originalsprache und in englischer Übersetzung abgedruckt wurden. Es sind die Gedichte einer Wanderin zwischen Ost und West, es geht um Landschaften und Realitäten, um poetische Räume und Musik und nicht zuletzt um die weißrussische Sprache selbst, in der sich die Umbrüche ihrer Heimat spiegeln: »diese sprache existiert nicht, / sie hat nicht einmal ein system. / ein gespräch mit ihr zu führen ist unmöglich – / sie schlägt einem sofort in die fresse.« Valžhyna Morts Ausdruck ist mal pathetisch, dann wieder schroff und direkt, mal märchenhaft-verträumt, dann wieder prägnant und lapidar: »das lockenwicklereinzugsprinzip / war die basis des nationalen mähdrescherbaus – / und meine erste metapher / die ich wutentbrannt wiederkäute / als hätte ich einen schwanensee verschluckt.« Neben Liebesgedichten, Bezügen zur Kindheit im Land des sozialistischen Realismus und der Frage nach nationaler Identität gibt sie in ihren Gedichten auch Eindrücke von ihren Reisen innerhalb Europas und Amerikas wieder, Alltagsbeschreibungen und Gedanken über den Tod.

Valžhyna Mort erhielt u. a. 2004 den Preis des Internationalen Literaturfestivals Kristal Vilenica in Slowenien, 2008 den Hubert-Burda-Preis für junge osteuropäische Lyrik und ein Lannan Foundation Fellowship 2010. Zusammen mit Katharina Narbutovič gab sie für die deutsche Literaturzeitschrift »die horen« ein Dossier mit zeitgenössischer weißrussischer Lyrik heraus (Heft 228, 4. Quartal 2007). Zudem übersetzt sie aus dem Polnischen und Englischen. Valžhyna Mort lebt in Baltimore, Maryland und lehrt Lyrik an der Universität Baltimore.

Valžhyna Mort Komma
© Ali Ghandtschi

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