Sergej Timofejev  [ Lettland ]

Biographie

Portrait Sergej Timofejev
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2010, 2012.

Bibliographie

Sobaka, Skorpion
Mitin žurnal
St. Petersburg, 1994

Sdelano
Novoe literaturnoe obozrenie
Moskau, 2003

A Fine Line
New Poetry From Eastern and Central Europe
[Hrsg. Jean Boase-Beier]
Arc Publications
Todmorden, 2004

Das Café
In: Sprache im technischen Zeitalter,
Sonderheft 2009: European Borderlands
Köln, 2009
[Ü: Franziska Zwerg]

Sinie malen‘kie gonočnye avtomašiny
Moskau, 2011
www.orbita.lv

Der Lyriker Sergej Timofejew wurde 1970 in Riga (Sowjetunion, heute Lettland) geboren. Seine freien Verse zwischen Blues und Alltagssprache erinnern mit ihrem synkopischen Rhythmus an die psychedelischen Texte der Beatniks, an Kerouac und Ginsberg, wurden in mehrere Sprachen übersetzt und erschienen in diversen Lyriksammlungen in Riga, St. Petersburg und Moskau sowie in internationalen Anthologien. Er nahm an zahlreichen internationalen Poesiefestivals teil und ist einer der Organisatoren des multimedialen Internetportals »Orbita«. Dieses ambitionierte Projekt, das sich analog zu einer Rockband als »Textband« gegründet hat, wird von fünf russischsprachigen Lyrikern seiner Generation aus Riga betrieben, die mit audiovisuellen Medien experimentieren und sich das Ziel gesetzt haben, Lyrik aus dem rein literarischen Kontext zu lösen und ihren Sinn für die moderne Gesellschaft zu hinterfragen. In diesem Zusammenhang erarbeitete Sergej Timofejew mit »Repeticija orkestra« (1994, Ü: Die Orchesterprobe) als Erster im postsowjetischen Raum das Genre des lyrischen Videos. Zusammen mit Viktor Vilks drehte er auf einer U-Boot-Basis unweit von Riga, die kurz zuvor von den russischen Streitkräften verlassen worden war, und unterlegte die Aufnahmen mit seinen Versen. Ein anderes Video, »Sveta« (Ü: Lichter), schaffte es ins Finale des ersten Zebra Poetry Film Festivals Berlin 2003. Nach einer Werkstattphase im ehemaligen Rigaer Industrieviertel Andrejsala präsentierte »Orbita« die Ergebnisse ihrer Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten moderner Lyrik in einer Ausstellung. Zu sehen waren Computerspiele, Skype-Installationen sowie Videoclips, in denen mithilfe medizinischer Geräte gezeigt wurde, was im Körper eines Lyrikers während des Vortrags seiner Gedichte vor sich geht. 2007 entwickelte Timofejew zusammen mit anderen das Computerspiel »Ja – Tekst« (Ü: Ich bin Text). 2008/09 realisierte er mit Artur Punte für das alljährliche Kulturforum »Balta Nakts« (Ü: Baltische Nächte) die lyrische Installation »Komnata vremeni« (Ü: Das Zeitzimmer). Auf Projektionsleinwände, die in Form eines Zimmers aufgestellt waren, wurden kleine Animationsfilme zu alltäglichen Vorgängen projiziert, wobei die Bilder mit Musik von Evgeniy Droomoff und Gedichten von Sergej Timofejew auf Russisch und Lettisch gekoppelt waren.

Sergej Timofejew arbeitet zudem als Übersetzer (beispielsweise der Theaterstücke von Alvis Hermanis) und Texter u. a. für die Band Brainstorm. 2003 gelangte er auf die Shortlist für den russischen Andrej-Bely-Preis für Lyrik, 2010 war er für »Russkaja Premija« nominiert, einen Preis, der an russischschreibende Autoren im Ausland verliehen wird. Seine Texte erschienen in Übersetzung in den USA, Australien, Italien und Deutschland. Timofejew lebt in Riga. 2011 leitete er den Nationalrat für Kultur beim lettischen Kulturministerium.

© internationales literaturfestival berlin