Noémi Kiss  [ Ungarn ]

Biographie

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© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Határhelyzetek

Paul Celan költészete és magyar recepciója

Anonymus

Budapest, 2003

Tájgyakorlatok

Elbeszélések

József Attila Kör-Kijárat

Budapest, 2003

Was geschah, während wir schliefen

Matthes & Seitz

Berlin, 2008

[Ü: Agnes Relle]

Rongyos ékszerdoboz

Utazások keleten

Magvető Könyvkiadó

Budapest, 2009

Noémi Kiss wurde 1974 in Gödöllõ, nordöstlich von Budapest, geboren. Sie studierte Hungarologie, Komparatistik und Soziologie an der Universität in Miskolc, wo sie seit 2000 wissenschaftliche Assistentin für Vergleichende Literaturwissenschaft ist. Zwei Jahre verbrachte sie an der Universität Konstanz mit literaturwissenschaftlichen Forschungen. Ihre Doktorarbeit »Határhelyzetek. Paul Celan költészete és magyar recepciója« über die Rezeption Paul Celans in Ungarn wurde 2003 veröffentlicht, wie auch ihr Essayband »Tájgyakorlatok«. Das Schreiben von Noémi Kiss ist geprägt von diesem literaturwissenschaftlichen Hintergrund und zeigt ein starkes Bewusstsein für Gender-Theorien. Gleichzeitig ist es von hohem literarischem Wert.

Als »ungarische E.-T.-A.-Hoffmann-Exegetin« und »als neue Stimme, die im Männergesangsverein der ungarischen Gegenwartsliteratur kaum mehr zu überhören ist«, wurde Noémi Kiss von der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« gefeiert. Ihr Erzählband »Trans« (2008; dt. »Was geschah, während wir schliefen«, 2008), beginnt mit einem Motto von E. T. A. Hoffmann über die »dunkle Macht« und führt den Leser in die Abgründe von Identitätsverlust und Entgrenzung. In sechs Erzählungen zeigt Kiss die Suche einer Frau nach ihrer sexuellen Rolle, nach Lust und Exzessen, teils obszön, teils poetisch. Dabei ist die Ich-Erzählerin stets eine junge Ungarin. In einer heruntergekommenen Bar in Berlin-Kreuzberg erwürgt ein polnischer Transvestit aus Eifersucht die Freundin des Barbesitzers. In einer Dönerbude in Frankfurt/Oder, wo Prostituierte und Grenzgänger aller Art verkehren, entschließt sich die Erzählerin, das Kind von ihrem türkischen Freund abzutreiben. Noémi Kiss verhandelt Grenzüberschreitungen von einem Land und von einem Geschlecht zum anderen, von Traum zu Realität: »Die Grenze ist ein zerrissener Stacheldraht, ein Stück Mauer, Graffiti an der Wand, eine Aufschrift, ein Zeichen, eine Botschaft, eine Brücke oder vielleicht ein Körper, denn Grenze kann auch die Hand, der Fuß, das Gesicht, der Kopf eines anderen Menschen sein.«

Im Herbst 2009 erschien ihr neues Buch »Rongyos ékszerdoboz«. Noémi Kiss veröffentlichte zahlreiche Gedichte, Essays, Erzählungen, Kritiken und Aufsätze in deutscher und ungarischer Sprache. Sie ist Mitarbeiterin und Redakteurin der Zeitschrift »Új Holnap« und Mitglied des Vereins junger ungarischer Schriftsteller. Sie lebt zurzeit in Budapest.

[http://www.kissnoemi.hu]

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