Hassouna Mosbahi  [ Tunesien ]

Biographie

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© Stefan Rumpf

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

So heiß, so kalt, so hart

Greno

Nördlingen, 1989

[Ü: Erdmute Heller und Mohamed Zrouki]

Hinter den Schleiern des Islam

[Mit Erdmute Heller]

Beck

München, 1993

Der grüne Esel

A1 Verlag

München, 1996

[Ü: Regina Karachouli]

Die rebellischen Töchter Scheherezades

Beck

München, 1997

[Ü: Erdmute Heller]

Rückkehr nach Tarschisch

A1 Verlag

München, 2000

[Ü: Regina Karachouli]

Ölbaum der Kamele

A1 Verlag

München, 2001

[Ü: Erdmute Heller und Mohamed Zrouki]

Adieu Rosalie

A1 Verlag

München, 2004

[Ü: Erdmute Heller]

Hassouna Mosbahi wurde 1950 in einer tunesischen Beduinenfamilie im Hinterland von Kairuan geboren. Schon als Kind hegte er den Wunsch zu schreiben, um »dorthin zu fliegen, wo die Welt die Farbe des Frühlings hat«. Seine ersten Geschichten folgten der Tradition der Volkserzähler, 1968 gewann er dafür den Preis des tunesischen Rundfunks. Längere Studienaufenthalte führten ihn nach Paris, Madrid, London und 1985 schließlich nach München, wo er bis 2004 als Journalist, Literaturkritiker und freier Schriftsteller lebte.

1989 erschienen seine Erzählungen in »So heiß, so kalt, so hart« erstmals auf Deutsch. Die Titelerzählung über das Schicksal illegaler afrikanischer Emigranten in Europa inspirierte Kerstin Specht 2005 zu ihrem Theaterstück »Zeit der Schildkröten«, das im selben Jahr bei den Ruhrfestspielen uraufgeführt wurde. 1996 folgte »Der grüne Esel«, eine Sammlung von Erzählungen, die der mündlichen Erzähltradition folgen. Mit einer einfachen, sehr eindringlichen Sprache fängt Mosbahi Gesichter, Szenen und Landschaften seiner Jugend ein und verwandelt sie in sprechende Bilder: »Zwei Dinge haben mich immer schon fasziniert: der Rhythmus des Koran, den ich auswendig lernte, ohne die Bedeutung der Verse zu verstehen, und die Freiheit der Erzähler. Ihnen war es als Einzigen erlaubt, über die Tabuthemen Frauen und Liebe zu reden. Ihnen hingen die Dorfbewohner an den Lippen, wenn sie sich um das Feuer und den Teekessel versammelten.« Auch sein Roman »Rückkehr nach Tarschisch« (2000; Tarschisch ist der alte Name für Tunis) spricht von der Sehnsucht, in eine vergangene Welt einzutauchen, und spiegelt die schwierige Situation arabischer Intellektueller wider. Nach zehn Jahren kehrt ein gebürtiger Nomade aus dem Exil in seine Heimat zurück und findet eine Stimmung von Angst und Schrecken vor, die von islamistischen Fundamentalisten geschürt wird. In poetischen Bildern beschwört Mosbahi Fragmente der nordafrikanischen Geschichte und Gegenwart, Traumerzählungen stehen neben politischen Reflexionen, Kindheitserinnerungen wechseln sich mit der Beschreibung der tunesischen Realität ab. Für seinen Roman über die enttäuschten Hoffnungen seiner Generation erhielt Mosbahi 2000 den Tukan-Preis der Stadt München. 2004 erschien sein Roman »Adieu Rosalie« auf Deutsch, der von den Ängsten eines Heimatlosen zwischen Projektionen, Erinnerungen und Träumen erzählt. Im selben Jahr kehrte Mosbahi in seine Heimat zurück, wo er zuletzt das »Münchner Tagebuch 2001−2004« veröffentlichte. Mosbahi hat sich auch als Lyriker, Literaturkritiker, Reiseberichterstatter und Übersetzer ins Arabische (Henri Michaux, René Char, Samuel Beckett und Jean Genet) einen Namen gemacht. 2010 erscheint von ihm in Tunesien die erste arabische Biografie über den heiligen Augustinus.

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