Hasso Krull  [ Estland ]

Biographie

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© Pia Ruber

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Mustvalge

Eesti Raamat

Tallinn, 1986

Swinburne

EKSA

Tallinn, 1995

Kaalud

Vagabund

Tallinn, 1997

Jazz

Vagabund

Tallinn, 1998

Neli korda neli

EKSA

Tallinn, 2009

Der estnische Lyriker, Essayist und Übersetzer Hasso Krull wurde 1964 in Tallinn geboren.1981 schloss er das Gymnasium ab und studierte bis 1985 estnische Sprach- und Literaturwissenschaft an der Pädagogischen Universität Tallinn. Seit 1990 unterrichtet er Literaturtheorie an der Universität Tallinn. Krull hat wesentlich zur Verbreitung der modernen französischen Philosophie (insbesondere von Jacques Derrida) innerhalb des estnischen literaturwissenschaftlichen Diskurses beigetragen und als Theoretiker vor allem über Poststrukturalismus und Postmodernismus gearbeitet.

1986 erschien unter dem Pseudonym Max Harnoon seine erste Gedichtsammlung »Mustvalge« (Ü: Schwarzweiß). In seinen Gedichten mit zahlreichen intertextuellen Bezügen gibt es Referenzen zur estnischen Mythologie, zu eigenen literaturtheoretischen Äußerungen sowie zu anderen Kunstformen. Für seine 1995 veröffentlichte Gedichtsammlung »Swinburne« über den viktorianischen Dichter Algernon Charles Swinburne diente ihm die Biografie von Donald Thomas als Ausgangspunkt, die ihn auch zu dem anspielungsreichen Ton des Poems anregte. »Swineburne« besteht aus zwei Teilen, die über den Alkoholismus des Dichters einerseits und seine Sexualität andererseits reflektieren. 2000 wurde das Werk von der Komponistin Mirjam Tally vertont. Zu seiner Gedichtsammlung »Kaalud« (1997, Ü: Die Gewichte) ließ er sich durch Künstlerfotografien inspirieren, die auch in den Band aufgenommen wurden. Sein Gedichtband »Jazz« (1998), der aus zwei Zyklen besteht, die innerhalb von vier bis fünf Jahren entstanden, beruht auf der Rezeption von Jazzmusik und stellt quasi eine Kompilation von Musiktracks dar. Jedes Gedicht in diesem Band ist, mit wenigen Ausnahmen, nach einem bekannten Musiker der Generation Charlie Parkers benannt und in freien Versen verfasst. Die Gedichte vermitteln Krulls Assoziationen zu den jeweiligen Musikstücken – so imitiert zum Beispiel ein Gedicht den magischen Rausch von Jimi Hendrix, ein anderes fasst einen Song von Duke Ellington in ein Sprachbild. Krull ging es darum, die vergänglichen, verklingenden Töne der Musik in einer Verschriftlichung einzufangen, um sie so zu bewahren. Er selbst hat sein Buch als historische Fantasie und Erkundung der schwarzen Musik in den großen Städten bezeichnet.

Seit 1989 ist Hasso Krull Mitglied des estnischen Schriftstellerverbands und wurde vielfach ausgezeichnet, u.~a. 2005 mit dem Preis der Baltischen Versammlung für Literatur und 2006 mit dem Juhan-Liiv-Lyrikpreis. Krull übersetzt aus sechs europäischen Sprachen und gibt seit 2001 zusammen mit Kalju Kruusa eine Internetzeitschrift mit Lyrikübersetzungen ins Estnische heraus. Er lebt in Tallinn.

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