Andrzej Stasiuk  [ Polen ]

Biographie

Andrzej Stasiuk Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Die Welt hinter Dukla

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2000

[Ü: Olaf Kühl]

Galizische Geschichten

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2002

[Ü: Renate Schmidgall]

Die Mauern von Hebron

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2003

[Ü: Olaf Kühl]

Mein Europa

Zwei Essays über das sogenannte Mitteleuropa

(mit Juri Andruchowytsch)

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2004

[Ü: Sofia Onufriv, Martin Pollak]

Fado. Reiseskizzen

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2008

[Ü: Renate Schmidgall]

Dojczland

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2008

[Ü: Olaf Kühl]

Andrzej Stasiuk wurde 1960 in Warschau geboren. In den frühen 1980er Jahren engagierte er sich in der polnischen pazifistischen Oppositionsbewegung »Ruch Wolność i Pokój« und desertierte vom Wehrdienst, wofür er zu anderthalb Jahren Haft verurteilt wurde. Seine Gefängniserlebnisse verarbeitete er in seinem ersten Erzählband »Mury Hebronu« (1992; dt. »Die Mauern von Hebron«, 2003). Das Debüt stieß wegen seiner zwar drastischen, aber hochliterarischen Prosa auf heftige Reaktionen in der polnischen Öffentlichkeit. Stasiuk zählt Allen Ginsberg, Jack Kerouac, Andrej Platonow und Zygmunt Haupt zu seinen Vorbildern. In Deutschland wurde Stasiuk durch »Dukla« (1997; dt. »Die Welt hinter Dukla«, 2000) bekannt, eine Sammlung von Prosaminiaturen über einen kleinen verschlafenen Ort in Südpolen am Rande der Karpaten. Der Blick des Erzählers streift über die Landschaft und ihre Bewohner und verdichtet seine Beobachtungen zu fotografisch präzisen Bildern. Immer wieder beschäftigt sich Stasiuk mit dem Thema Europa und dem Verhältnis der Polen zu ihren Nachbarn: »Pole sein heißt, der letzte Mensch östlich des Rheins zu sein. Denn für einen Polen sind die Deutschen so etwas wie gut konstruierte Maschinen, Roboter; die Russen dagegen sind schon ein wenig wie Tiere.« Nach seinen Geschichten aus Mitteleuropa »Opowieści galicyjskie« (1995; dt. »Galizische Geschichten«, 2002) sowie seinen Reiseskizzen »Fado« (2006; dt. 2008), die geografisch einen weiten Bogen vom Südpol bis nach Montenegro schlagen, nimmt der »literarische Gastarbeiter« Stasiuk auf seinen Lesereisen schließlich auch Deutschland ins Visier. In seinem Reisebericht »Dojczland« (2007; dt. 2008) schildert er seine Eindrücke auf Fahrten in weißen ICEs zwischen Magdeburg und Mainz, beobachtet den deutschen Alltag auf Bahnhöfen, in Literaturhäusern, im Hotel und anderswo, kommt auf die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands zu sprechen, denkt über das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen nach und schwärmt von der DDR als Übergangszone zwischen germanischer und slawischer Welt. Humorvoll spielt er mit alten Ängsten, Vorurteilen und Klischees: »Hier ist alles so gut organisiert, dass sogar die Kasachen den Bundestag am Laufen halten könnten.«

Andrzej Stasiuk schreibt für große polnische und deutsche Tageszeitungen Kritiken und Essays und betreibt seit Mitte der 1990er Jahre mit Monika Sznajderman den Verlag Czarne. 2002 wurde er mit dem Samuel-Bogumil-Linde-Preis und 2005 mit dem Nike-Preis für das beste polnische Buch des Jahres ausgezeichnet. Seit 1986 lebt er in den Niederen Beskiden.

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