Wojciech Kuczok  [ Polen ]

Biographie

Wojciech Kuczok Portrait
©:Mgieuka Wikipedia

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Opowieści słychane
Zielona Sowa
Kraków, 1999

Im Kreis der Gespenster
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2006
[Ü: Friedrich Griese]

Dreckskerl
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2007
[Ü: Gabriele Leupold,
Dorota Stroinska]

Höllisches Kino
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2008
[Ü: Gabriele Leupold, Dorota
Stroinska]

Senność
W.A.B.
Warschau, 2008

Moje projekcje. Lęki i
pragnienia widza kinowego
W.A.B.
Warschau, 2009

Wojciech Kuczok wurde 1972 im polnischen Chorzów geboren. Er studierte an der Schlesischen Universität im nahen Katowice und arbeitete für die Wochenzeitung »Tygodnik Powszechny« sowie für die Monatsschriften »Res Publica Nowa« und »Kino«. Zudem schrieb er Lyrik und Prosastücke.

Sein Erzählband »Opowieści słychane« (1999; Ü: Erhörte Erzählungen) wurde für den wichtigsten polnischen Literaturpreis NIKE nominiert. Diese Auszeichnung erhielt er vier Jahre später für seinen ersten Roman, »Gnój« (2003; dt. »Dreckskerl«, 2007). In Polen wurde das Werk über 100.000 Mal verkauft und provozierte teilweise entrüstete Reaktionen. Die drastische Schilderung der oberschlesischen Familie K. zeigt einen trostlosen Teufelskreis aus Engstirnigkeit, Freudlosigkeit und Brutalität auf. Im ersten Teil, »Damals«, zeichnet der Autor eine Art Vorgeschichte aus einer unbestimmten Erzählerperspektive, bevor im Teil »Dann« ein Ich-Erzähler sichtbar wird: Er berichtet von seiner Kindheit als einer einzigen Demütigung – insbesondere durch den prügelnden Vater, den »alten K.«. Im letzten Teil, »Danach«, ist der Protagonist zerstört und nur noch zu einer Rachefantasie fähig, in der das Haus mit den verhassten Familienmitgliedern von Jauche überschwemmt wird und zusammenstürzt.

In konzisen Beschreibungen, eindrücklichen Bildern und stimmigen Dialogen entwirft Kuczok Episoden, die Ernst und Witz, Spott und Melancholie, Tragik und Komik, Distanz und Einfühlung, Deutlichkeit und Vieldeutigkeit miteinander verbinden. Der Autor gilt als herausragender Stilist und besticht auch durch den feinen musikalischen Textaufbau. Sein Werk wird oft in die Nähe von Witold Gombrowicz gerückt. Realistische Schilderungen übersteigern sich ins Groteske, Surreale und eröffnen den Raum für beißende, existenzielle Kritik.

An der Verfilmung des Romans beteiligte sich Kuczok als Drehbuchautor. Eine halbe Million Zuschauer in Polen sahen den Film »Pręgi« (Striemen), der mit dem Hauptpreis des Polnischen Filmfestivals Gdynia ausgezeichnet und als bester ausländischer Film für den Oscar nominiert wurde.

Kuczoks Erzählband »Widmokrąg« (2004; dt. »Im Kreis der Gespenster«, 2006) skizziert in fünf Erzählungen und vier als »Interludien« bezeichneten Kürzestgeschichten die unheimlichen Seiten der Liebe. Deutliche Kritik an Bigotterie und Nationalismus in seinem Heimatland übte der Autor im Essay »Bemerkungen über den katholischen Nationalismus«, der 2007 in der Zeitschrift »Sprache im technischen Zeitalter« erschien. Zuletzt veröffentlichte er »To piekielne kino« (2006; dt. »Höllisches Kino«, 2008), eine Sammlung von 15 Aufsätzen über Skandalfilme von Regisseuren wie Pasolini, Haneke, von Trier und Greenaway. Darin verteidigt Kuczok die gezeigten Grenzüberschreitungen und Tabubrüche in den Bereichen Tod, Sexualität und Gewalt mit einer deutlichen Kritik an der Seichtheit des »Popkinos«. Kuczok lebt in Krakow und Chorzów. Er ist derzeit Gast des DAAD in Berlin.

© internationales literaturfestival berlin

abgelegt unter: