Pablo Ramos  [ Argentinien ]

Biographie

Pablo Ramos Portrait
©:Alejandra Lopez

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Lo pasado pisado
Alfaguara
Buenos Aires, 1997

Cuando lo peor haya pasado
Alfaguara
Buenos Aires, 2005

La ley de la ferocidad
Alfaguara
Buenos Aires, 2007

Der Ursprung der Traurigkeit
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2007
[Ü: Susanne Mende]

Pablo Ramos wurde 1966 in Sarandí, einem Vorort von Buenos Aires, geboren. Er arbeitete in verschiedenen Jobs – u. a. als Elektriker, Koch, technischer Zeichner, Kellner, Straßenverkäufer – und war freischaffend tätig. Daneben spielte er in einer Rockband, für die er Texte schrieb. 1997 veröffentlichte er den preisgekrönten Gedichtband »Lo pasado pisado« (Ü: Die getretene Vergangenheit). Während eines Alkoholentzugs wurden seine Kurzgeschichten aus dem damals noch unveröffentlichten Band »Cuando lo peor haya pasado« (2005; Ü: Wenn das Schlimmste vorbei ist) mit wichtigen Auszeichnungen bedacht: dem ersten Preis des Fondo Nacional de las Artes und dem Preis der Casa de las Américas. Seitdem ist Ramos freier Schriftsteller. Mit seinem Debütroman wurde er auch international bekannt.

»El origen de la tristeza« (2004; dt. »Der Ursprung der Traurigkeit«, 2007) schildert in drei abgeschlossenen Episoden das Ende einer Kindheit. Hintergrund ist das von mehreren Militärdiktaturen moralisch und ökonomisch abgewirtschaftete Argentinien. Der Protagonist wächst zwischen Gescheiterten, Sonderlingen, Säufern und Zynikern in einem heruntergekommenen Viertel auf, in dem Gewalt und Hoffnungslosigkeit regieren. Als Anführer einer Kindergang überschreitet er die Grenze zur Kleinkriminalität. Freundschaft erfährt er auch von älteren Außenseitern der Gesellschaft wie einem Friedhofswärter und einem homosexuellen Musiker, die ihm Hoffnung für die Zukunft geben.

Seine trotz widriger Umstände, eines Vaterkonflikts und der Unsicherheit sexuellen Erwachens idyllische Kindheit endet, als ein Freund bei einem Raubüberfall getötet wird. Ramos’ nuancenreiche Prosa ist schonungslos und humorvoll zugleich. Obwohl seine Biografie wichtige Inspirationsquelle ist und Ramos die Bedeutung eigener Erfahrungen betont, bildet doch die »literarische Lüge« die Quintessenz seiner Poetik: »Ich glaube tief und fest an die Fiktion. Die Wirklichkeit umstrukturieren und die nötigen Lügen hinzufügen: Um zu erreichen, dass der Leser fühlt, was du gefühlt hast, musst du lügen. «

Der Folgeroman »La ley de la ferocidad« (2007; Ü: Das Gesetz des Grässlichen) zeigt den Protagonisten des ersten Romans als jungen Erwachsenen. Er ist zu Geld gekommen und wird von rastloser, unbestimmter Unzufriedenheit getrieben. Als liebesbedürftiges Scheusal nimmt er Zuflucht zu Drogen und Prostituierten. Die Zeitung Arcadia wählte den Roman im Jahr 2008 unter die zehn besten in Kolumbien veröffentlichten Bücher. Ramos’ Werke erschienen in portugiesischer, französischer und deutscher Sprache.

Derzeit arbeitet der Autor an seinem dritten Roman. Er gibt Schreibwerkstätten und lebt im brasilianischen San Salvador de Bahía sowie in Buenos Aires. 2009 wurde ihm das Künstlerstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für einen einjährigen Aufenthalt in Berlin zugesprochen.

© internationales literaturfestival berlin

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