George Szirtes  [ Großbritannien, Ungarn ]

Biographie

George Szirtes Portrait
© Clarissa Upchurch

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

The Slant Door
Secker & Warburg
London, 1979

Portrait of My Father in an English Landscape
OUP
Oxford, 1998

Reel
Bloodaxe Books
Northumberland, 2004

George Szirtes wurde 1948 in Budapest geboren. Nach Niederschlagung des ungarischen Aufstands im Jahr 1956 flüchtete seine Familie nach England, wo sie die englische Lebensweise und Sprache annahm. Nach dem Schulbesuch studierte Szirtes Malerei am College of Art and Design in Leeds und am Goldsmiths College der University of London. Anschließend arbeitete er als Lehrer für Kunst, Kunstgeschichte, Literatur und Creative Writing an verschiedenen Schulen und Institutionen wie der Arvon Foundation. Mitte der siebziger Jahre verfasste er die ersten einer Reihe von Libretti für Opern, Musicals und Oratorien und veröffentlichte Gedichte sowie Zeichnungen in Loseblattsammlungen. Für seinen ersten größeren Gedichtband, »The Slant Door« (1979; Ü: Die schräge Tür), wurde er mit dem Faber Memorial Prize ausgezeichnet. 1982 wurde er in die Royal Society of Literature aufgenommen. Nach dem frühen Tod seiner Mutter beschäftigte er sich zunehmend mit seiner Herkunft. Einer ersten Reise nach Ungarn im Jahr 1984 folgten die verstärkte Auseinandersetzung mit der ungarischen Literatur und schließlich eine rege Übersetzertätigkeit.

In Szirtes’ Lyrik verbindet sich große Visualität mit starkem Formbewusstsein in der Tradition T. S. Eliots und W. H. Audens sowie der Reflexion über die eigene ungarisch-jüdisch-britische Identität. Beispielsweise in seinem neunten Gedichtband mit dem sprechenden Titel »Portrait of my Father in an English Landscape« (1998; Ü: Porträt meines Vaters in einer englischen Landschaft) sind diese Aspekte vereint. Im Titelgedicht entwickeln 15 Sonette, die von Fotografien ihren Ausgang nehmen, in klaren Sätzen eine fragmentarische Biografie des Vaters. Gerade in ihrer Kunsthaftigkeit zeigt sich der Impetus von Szirtes’ Lyrik als Verpflichtung zur Wahrheit. Denn Wahrheit ist, wie der Autor bei der Verleihung des T. S. Eliot Prize für seinen Gedichtband »Reel« (2005; Ü: Spule) ausführte, nicht ausschließlich »Beweis, Information, Data und falsifizierbare Behauptungen, sondern ein Ding von seltsam zäher Komplexität«.

Der mit Preisen und Stipendien vielfach ausgezeichnete Lyriker ist auch für seine zahlreichen Übersetzungen ungarischer Autoren bekannt, darunter Imre Madách, Dezsö Kosztolányi, Ottó Orbán, Zsuzsa Rakovszky, László Krasznahorkai, Agnes Nemes Nagy, Sándor Márai und Ferenc Karinthy. Dafür wurde er u.a. mit dem Déry-Preis, dem Goldenen Stern der Republik Ungarn und dem European Poetry Translation Prize ausgezeichnet. Zu Szirtes’ zahlreichen Werken gehören auch Gedichte für Kinder, eine Studie über die Malerin Ana Maria Pacheco sowie Artikel, Aufsätze, Anthologien und Radio- und Fernsehbeiträge über Dichter, Dichtung, Kunst, Übersetzung und Politik. Auf seiner Website betreibt er unter georgeszirtes.blogspot.com einen Blog.

Szirtes lebt mit seiner Frau, der Malerin Clarissa Upchurch, im ostenglischen Wymondham. Er ist Mitglied im beratenden Ausschuss des British Centre for Literary Translation und der Poetry Book Society sowie Schirmherr der National Academy of Writing und Juror zahlreicher Literaturwettbewerbe.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.georgeszirtes.co.uk/]

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