Dalia Taha  [ Deutschland, Palästina ]

Biographie

Dalia Taha Portrait
© privat

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Arrafu l-Sawadk.
Ogarit Verlag
Ramallah, 2007

Shurfa wa-la ahad
Dar Azminah
Ramallah, 2009

Dalia Taha wurde 1986 in Berlin geboren, wuchs aber in Ramallah (Westbank) auf und studierte Architektur an der Birzeit University in Ramallah. Sie begann sehr früh und mit aktiver Unterstützung ihrer Eltern zu schreiben. Lange Jahre war sie Redaktionsmitglied der Zeitschrift »Yaraat«, die sich der jungen Dichter- und Autorengeneration Palästinas widmet. Mittlerweile veröffentlicht Dalia regelmäßig Gedichte und Artikel in Literaturzeitschriften der Westbank, in denen sie sich vor allem mit Raumkonzeptionen unter kolonialen Bedingungen auseinandersetzt.

In ihrem ersten Roman »’Arrafu l-Sawad« (Ramallah 2007; Ü: Die Wahrsager des Schwarzen) überschreitet sie die Grenzen zwischen den literarischen Genres und spricht mit einer dunkel-poetischen Stimme und lotet das Innere der namenlos bleibenden Charaktere aus, die inmitten einer Welt der Besatzung und Bedrohung sich immer mehr aufzulösen scheinen. Die Erzählperspektiven wechseln, die dingliche Welt rund herum entschwindet immer mehr und entzieht sich dem Leser. Dialoge, die nebeneinandergestellt sind, ohne dass sich die Erzählerstimme einmischt, wechseln sich ab mit Passagen von lyrischer Schönheit und reflexiver meditativer Prägnanz.

Es ist jedoch vor allem ihre Lyrik, die Dalia Taha auszeichnet. Ihre Gedichte erschienen in verschiedenen Anthologien und Zeitschriften und in einem Gedichtband unter dem Titel ihres ersten Gedichts »Shurfa wa-la ahad« (2009; Ü: Ein Balkon und niemand da). Sie sprechen in feiner metaphorischer Sprache von Liebe und Gleichgültigkeit, Tod und Trennung. Laut eigener Aussage verfolgt sie kein politisches Ziel mit ihrem Schaffen, sondern will eine neue Beziehung zwischen den Dingen herstellen. Dalia arbeitet einerseits mit sorgfältig komponiertem Material, indem sie fein austarierte Beobachtungsfragmente mit überraschenden Momenten kontrastiert: »Ich steige aus unserem Foto aus / wie wir da sitzen vor dem weiten Horizont, der sich nicht / verfärbt, um uns im Weg zu uns hin / irrezuführen. Ich laufe / zu mir / und von mir weg, neben / einer Gartenmauer / laufe ich, und in mir fallen / die Blüten, die / auf deinem Grab / wuchsen.« Oft reiht sie andererseits aber auch Satzfragmente kommentarlos aneinander und erzeugt so einen Staccato-Rhythmus, der durch die manchmal nur ein Wort umfassenden Kurzzeilen noch zusätzlich betont wird.

Im nächsten Jahr will Dalia zunächst praktische Erfahrungen im zivilgesellschaftlichen Bereich sammeln. Danach plant sie eine Doktorarbeit in den Vereinigten Staaten zu einer postkolonial-theoretischen Thematik. Momentan lebt die Autorin in Ramallah, Westbank.

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