Alawiyya Sobh  [ Libanon ]

Biographie

Alawiyya Sobh Portrait
© privat

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Naum al-ayyâm
mu’assasat al-abhath
al-’arabiyya
Beirut, 1987

Marjam al-hakâyâ
dar al-adab
Beirut, 2002

Marjam der Geschichten
(Arbeitstitel deutsche
Übersetzung)
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2010
[Ü: Leila Chammaa]

Dunja
dar al-adab
Beirut, 2006

Ismuhu al-qharâm
dar al-adab
Beirut, 2009

Übersetzer
Leila Chammaa

Alawiyya Sobh wurde Mitte der 1950er Jahre in Beirut geboren. Sie studierte arabische und englische Literatur an der Libanesischen Universität in Beirut. Seit Anfang der 1980er Jahre veröffentlicht sie kulturelle Beiträge in diversen libanesischen Zeitungen. 1986 wurde sie Chefredakteurin der meistgelesenen arabischen Frauenzeitschrift »al-Hasna’«, 1990 gründete sie das Frauen- und Familienmagazin »Snob«, deren Chefredakteurin sie bis heute ist.

Debütiert hat sie 1986 mit dem Roman » Naum al-ayyâm« (Ü:Schlummer der Tage«), seither sind drei weitere Romane erschienen. Mit »Marjam al-hakâyâ« (Ü: Marjam der Geschichten«), ihrem bisher bekanntesten Roman, hat sie ein Werk von epischer Dimension geschaffen, das sich einem literarisch noch unberührten Thema widmet: den Lebenswelten der ländlichen Bevölkerung im Südlibanon. Aus der weiblichen Perspektive, mit detaillierten Milieubeschreibungen sowie umgangssprachlichen Redewendungen und Dialogen erzählt der Roman von den Schicksalen dreier Generationen von Frauen von der französischen Mandatszeit bis in die Gegenwart. Während die erste Generation noch einer ungebrochenen patriarchalischen Herrschaft unterworfen war, sind die Frauen von heute dem Traum von Unabhängigkeit und Freiheit schon weitaus näher gerückt, scheitern letztlich aber doch oft an der Realität. Der Roman hat bei seinem Erscheinen in der gesamten arabischen Welt großes Aufsehen erregt, da er sozialpolitisch hochbrisante Themen beleuchtet und Tabus wie innerfamiliäre Strukturen, Sexualität, Gewalt, Religiosität, Unwissenheit und Aberglauben schonungslos aufdeckt.

Thematisch und stlistisch lassen sich in Sobhs Œuvre gewisse Gemeinsamkeiten feststellen. Auch wenn die Romane, in denen Frauen und ihr Alltag im Mittelpunkt stehen, die Multikonfessionalität der libanesischen Gesellschaft wiedergeben, entstammen die Hauptfiguren doch hauptsächlich dem schiitischen Milieu. Jeder ihrer Romane entrollt sich als Flickenteppich unzähliger ineinander verwobener Schicksale, die von einer Rahmenhandlung zusammengehalten werden. In »Marjam der Geschichten« ist es eine Autorin, die sich die Lebensgeschichten ihrer Mitmenschen als Stoff für ihren geplanten Roman erschleicht, in »Dunja« (2006) eine Frau, die ihren schwerkranken Mann pflegt, und in »Ismuhu al-qharâm« (Ü: Es nennt sich Leidenschaft) eine Frau, die mit Mitte fünfzig ihren Körper und ihre Sexualität neu entdeckt. Dank dieser besonderen Erzähltechnik vermag die Autorin ein facettenreiches und differenziertes Bild der libanesischen Gesellschaft zu zeichnen.

2006 wurde Alawiyya Sobh für »Marjam der Geschichten« mit dem Sultan-Qabûs-Preis ausgezeichnet. Bereits in etliche Sprachen übersetzt, erscheint der Roman im Frühjahr 2010 im Suhrkamp Verlag auf Deutsch.

Die Autorin lebt in Beirut.

© internationales literaturfestival berlin

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