Uwe Timm  [ Deutschland ]

Biographie

Uwe Timm Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2008.

Bibliographie

Heißer Sommer
Bertelsmann
München [u.a.O.], 1974

Morenga
AutorenEdition
München, 1978

Kerbels Flucht
AutorenEdition
München, 1980

Rennschwein Rudi Rüssel
Nagel & Kimche
Zürich [u.a.O.], 1989

Vogel, friss die Feige nicht
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1989

Rot
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2001

Am Beispiel meines Bruders
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2003

Der Freund und der Fremde
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2005

Halbschatten
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2008

Uwe Timm wurde 1940 in Hamburg geboren. Er absolvierte eine Kürschnerlehre und übernahm nach dem Tod des Vaters für drei Jahre dessen Pelzgeschäft. 1963 holte er das Abitur nach und studierte anschließend Germanistik und Philosophie in München und Paris. Während seiner Studienzeit schloss er sich dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) an. Nach seiner Promotion im Jahr 1971 gründete er die »Wortgruppe München« und gab gemeinsam mit anderen Autoren die »Literarischen Hefte« heraus. Von 1972-82 war er Mitherausgeber der AutorenEdition.

Timms Werk ist in der 68er-Bewegung verwurzelt und hält doch einen kritischen Grundabstand zu ihr. In der Form des damals verpönten Erzählens brilliert der Autor mit kenntnisreichen und genauen Schilderungen, treffsicheren Dialogen, geschickter Handlungsführung, Anspielungsreichtum und zunehmender Ironie. Die erfolgreichen Romane und Erzählungen, die Timms literarischem Debüt mit politischen Gedichten folgten, spielen oft vor dem Hintergrund autobiografischer Erlebnisse in der deutschen Nachkriegszeit. Vor allem die frühen Werke zeigen geistig heimatlose Protagonisten und beleuchten Formen der Herrschaft und die Möglichkeit ihrer Überwindung. »Heißer Sommer« (1974) schildert den Anfang der Studentenunruhen bis zur Radikalisierung, »Kerbels Flucht« (1980) das Verebben der Bewegung in den Siebzigern. Der hochgelobte Roman »Rot« von 2001 chronologisiert dreißig Jahre: In den letzten Sekunden seines Lebens lässt ein älterer 68er seine Vergangenheit in Form einer Trauerrede Revue passieren. 2005 erinnerte Timm in »Der Freund und der Fremde« an Benno Ohnesorg, der mit dem Autor das Abitur nachholte und Timms erste Texte las. Sein gewaltsamer Tod 1967 auf der Anti-Schah-Demonstration in Berlin führte zu den studentischen Unruhen von 1968.

In Romanen wie »Morenga« (1978) – der den Kolonialkrieg des Deutschen Kaiserreichs in Südwestafrika thematisiert – näherte sich Timm den Herrschaftsstrukturen und Eigenheiten der deutschen Kultur über den Kontrast zu anderen Völkern. Nach einem zweijährigen Aufenthalt mit seiner Familie in Rom entstand mit »Vogel, friss die Feige nicht« (1989) eine Chronik dieser Zeit.

Timm ist auch in der Kinderliteratur eine Größe. Sein bekanntestes Kinderbuch, »Rennschwein Rudi Rüssel« (1989) wurde 1995 verfilmt. Für »Die Bubi Scholz Story« (1998) und »Eine Hand voll Gras« (2000) schrieb Timm ebenfalls die Drehbücher. Zudem verfasste er Hörspiele und Essays.

Für sein Werk wurde der vielfach übersetzte Autor mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen geehrt, u.a. mit dem Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, dem deutschen Jugendliteraturpreis, dem Jakob-Wassermann-Literaturpreis, dem Premio Napoli und dem Premio Mondello. Er war Writer-in-Residence, Gastdozent und Stipendiat im In- und Ausland, zuletzt in der Villa Massimo in Rom. Heute lebt er in München und Berlin.

© internationales literaturfestival berlin

abgelegt unter: