Rattawut Lapcharoensap  [ Thailand ]

Biographie

Rattawut Lapcharoensap Portrait
© Jerry Bauer

Gast des ilb 2006, 2008.

Bibliographie

Sightseeing
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2006
[Ü: Ingo Herzke]

Valets
In: Granta 97: Bets of Young American Novelists 2
[Hg. Ian Jack]
Granta
London, 2007

Übersetzer: Ingo Herzke

Rattawut Lapcharoensap wurde 1979 in Chicago geboren. Er wuchs in Bangkok auf und studierte an der Universität Triamudomsuksa Pattanakarn School in der thailändischen Hauptstadt, an der amerikanischen Cornell University und an der Universität von Michigan. Hier graduierte er im Fach Creative Writing. Er veröffentlichte erste Kurzgeschichten in den Magazinen »Granta«, »Glimmer Train«, »Zoetrope«, »One Story« und verschiedenen Anthologien, darunter »Best New American Voices« und »Best American Non-Required Reading«.

Lapcharoensaps erste Kurzgeschichtensammlung, »Sightseeing« (2005; dt. 2006), erschien in elf Ländern und wurde einhellig mit Begeisterung aufgenommen. In den sieben Erzählungen wird das im westlichen Blick exotische Urlaubsparadies Thailand meist aus der unschuldigen Erzählperspektive eines Jungen entmystifiziert. Die erste Geschichte, »Farangs«, schildert die rohen Sitten der vergnügungssüchtigen Touristen und die neidvolle Verachtung der auf sie angewiesenen Thais. »Du bietest ihnen Geschichte, Tempel, Pagoden, Fischcurry, Tapiokadessert, Seidenweber-Kooperativen, aber sie wollen bloß wie Wilde auf einem riesigen grauen Vieh herumreiten und auf Mädchen herumkeuchen und in der Zwischenzeit halb tot am Strand liegen und Hautkrebs kriegen«, lässt die Mutter des Erzählers ihrem Zorn freien Lauf. Der aber verliebt sich zum wiederholten Mal in eine Touristin, was natürlich nicht zu einem Happy End führt. Die Titelgeschichte, »Sightseeing«, zeichnet eine anrührende Mutter-Sohn-Beziehung und ein zärtliches Porträt des Landes, in den meisten Texten wird Thailand jedoch überwiegend kritisch geschildert: »Priscilla aus Kambodscha« erzählt von einem Pogrom der Einheimischen gegen zugewanderte Kambodschaner, und in »Einberufungstag« wird geschildert, wie die allgegenwärtige Korruption eine Freundschaft ruiniert. Dabei wird das Grundmotiv von Lapcharoensaps Erzählungen besonders deutlich: Die aus sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheit entstehenden Probleme sind ein globales Phänomen, von dem auch Urlaubsländer nicht ausgenommen sind.

Der Erzählband gewann den Asian American Literary Award und wurde für den Guardian First Book Award und den New York Public Library Young Lion Fiction Award nominiert. Ein Jahr zuvor hatte der Autor die David TK Wong Fellowship der englischen University of East Anglia in Norwich angetreten. Dort konzentrierte er sich auf die Arbeit an einem Roman, dessen Rechte bereits in mehrere Länder verkauft sind. Lapcharoensap lebt inzwischen in New York und unterrichtet Englisch an einer Oberschule in Manhattan. Zuletzt erschien seine Kurzgeschichte »Valets« in »Granta 97: Best of Young American Novelists 2« (2007).

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