Ingo Schulze  [ Deutschland ]

Biographie

Ingo Schulze Portrait
© Jim Rakete

Gast des ilb 2002, 2008.

Bibliographie

33 Augenblicke des Glücks
Berlin Verlag
Berlin, 1995

Simple Storys
Berlin Verlag
Berlin, 1998

Neue Leben
Berlin Verlag
Berlin, 2005

Handy
Berlin Verlag
Berlin, 2007

Was wollen wir? Dankrede zum Thüringer Literaturpreis
in: Palmbaum
Bucha bei Jena, 2007

Adam und Evelyn
Berlin Verlag
Berlin, 2008

Ingo Schulze, geboren 1962 in Dresden, studierte Klassische Philologie und Germanistik in Jena, bevor er als Dramaturg am Landestheater Altenburg tätig wurde. Im Jahr 1990 initiierte er in der ostthüringischen Stadt das »Altenburger Wochenblatt« und den »Anzeiger«. Während eines halbjährigen Aufenthaltes in Sankt Petersburg 1993 gründete er das erste kostenlose Anzeigenblatt der russischen Stadt, die Schauplatz seines literarischen Debüts »33 Augenblicke des Glücks« (1995) werden sollte. Der Erzählband entfaltet ein kaleidoskopartiges Panorama der russischen Metropole vor dem Hintergrund des politischen und ökonomischen Umbruchs zu Beginn der neunziger Jahre.

Auch in seinen späteren Werken gilt Schulzes besonderes Interesse dieser Zeitenwende und dem Zustand zwischen Hoffnung und Hilflosigkeit der davon überraschten Menschen. Die großen Zusammenhänge werden im Kleinen anschaulich gemacht: »Literatur bedeutet für mich, die Welt im Wassertropfen zu sehen«, so der Autor.

International bekannt wurde Schulze durch »Simple Storys. Ein Roman aus der ostdeutschen Provinz« (1998). An die Tradition der US-amerikanischen Short Story eines Raymond Carver anknüpfend, schildern die scheinbar einfachen Geschichten lakonisch und direkt den Alltag einzelner Bewohner von Altenburg aus ihrer eigenen Perspektive. Ohne jegliche »Nachwendeweinerlichkeit«, wie die »Stuttgarter Zeitung« lobte, werden die von der Wiedervereinigung herrührenden Brüche in den Biografien vieler Ostdeutscher offengelegt. Auch der Lebenslauf des Protagonisten in »Neue Leben« (2005) – einem vom fiktiven Herausgeber Ingo Schulze publizierten Briefroman – weist solche Brüche auf: Im Jahr 1990 berichtet Enrico Türmer über seine Jugend, die frühen Jahre seines Erwachsenenlebens in der DDR und seinen Weg vom verzweifelten Schriftsteller zum glücklichen wie rücksichtslosen Geschäftsmann.

Mit dem 2007 erschienenen Erzählband »Handy – Dreizehn Geschichten in alter Manier« kehrt Schulze zur literarischen Form der Kurzgeschichte zurück. Im Zentrum stehen die Verschiebungen und Risse in Freundschaften und Liebesverhältnissen in Berlin, New York, Kairo und an anderen Orten der Welt. Im August dieses Jahres erschien Schulzes neuer Roman »Adam und Evelyn«, der die gleichnamigen, auf den biblischen Mythos von Adam und Eva verweisenden Protagonisten im Sommer 1989 – just als Ungarn die Grenze öffnet – an den Balaton reisen lässt.

Ingo Schulze erhielt zahlreiche Preise, u.a. den aspekte-Preis (1995), den Berliner Literaturpreis (1998), den Preis der Leipziger Buchmesse (2007) und den Premio Grinzane Cavour (2008). Viel beachtet wurde auch seine Dankesrede zur Verleihung des Thüringer Literaturpreises 2007, in der er die zunehmende »Refeudalisierung« des Kulturbetriebs als Teil einer allgemeinen Ökonomisierung der Gesellschaft kritisierte. Schulzes Werk wurde in dreißig Sprachen übersetzt. 2007 war der Autor Stipendiat der Villa Massimo in Rom. Seit 1993 lebt er in Berlin.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.ingoschulze.com/]

Ingo Schulze
© Ali Ghandtschi

Ingo Schulze
© Ali Ghandtschi

abgelegt unter: