Einar Turkowski  [ Deutschland ]

Biographie

Portrait Einar Turkowski
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2008.

Bibliographie

Es war finster und merkwürdig still
Atlantis
Zürich, 2005

Der norddeutsche Illustrator und Erzähler Einar Turkowski wurde 1972 in Kiel geboren und verbrachte seine Kindheit in der Holsteinischen Schweiz. Nach seinem Abitur absolvierte er ein Praktikum als Bühnenbildner und studierte Kunst, Kunsterziehung und Biologie, ehe er 1998 an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg in die Illustrationsklasse von Rüdiger Stoye aufgenommen wurde. Im März 2005 verblüffte er die Prüfungskommission mit seiner Diplomarbeit »Es war finster und merkwürdig still«, die nur wenige Monate später publiziert wurde. Als »Parabel über das Fremde« und »virtuoses Kunstwerk in schwarz-weiß«, feierte »Die Zeit« Turkowskis Debüt, für das er neben den erfinderischen Illustrationen und der eindrücklichen Geschichte auch die exquisite Typografie gestaltete.

Im Mittelpunkt seines Werks steht ein Fremder, der in aller Stille an einer Küste landet, sein Schiff mit Schnüren, Stangen und merkwürdigen Gerätschaften vertäut und ein verlassenes Haus in den Dünen bezieht. Argwöhnisch beäugen die Stadtbewohner den Sonderling durch lange Fernrohre, hocken in schneckenähnlichen Unterständen und bauen Kameras mit verborgenen Mikrofonen, um ihn zu bespitzeln. Bald wird klar: Ein Wolkenfischer ist der Fremde, der mit seinen Instrumenten Wolken einfängt und aus ihnen Bojen, Rettungsringe und Holzstücke abregnen lässt, vor allem aber prachtvolle Fische, die auch die missgünstigen, hasserfüllten Küstenbewohner gerne ihr Eigen nennen würden. Effektvoll zieht Turkowski den Betrachter in ein irreal-geheimnisvolles Szenario aus grotesk anmutenden Technowesen. Was wie kunstreiche Lithographie in nuancenreichen Grautönen erscheint, ist schlicht mit dem Bleistift gezeichnet. Turkowski kreiert ein Bilderbuch, das auf große Illustrationstraditionen zurückgreift und zugleich in einer genialen Bleistifttechnik etwas völlig Neues schafft: eine surreale Bildwelt, akribisch in ihrer fantasiereichen Ausgestaltung, einmalig in ihrer hyperpräzisen Skurrilität, geschaffen mit über 400 Bleistiftminen. »Ich habe mich auf einen Bleistift beschränkt, die stinknormale Härte HB, denn ich mag es gern, mich auf ein Werkzeug zu konzentrieren und alles dabei rauszuholen, vom feinsten Strich bis zur dunkelsten schwarzen Fläche«, entgegnet der Künstler, auf seine Zeichentechnik angesprochen.

Einar Turkowskis »eigenwilliges und wunderbar skurriles Erstlingswerk« (»Die Zeit«) fand international große Beachtung. Insbesondere die Auszeichnung mit dem Grand Prix der 21. Biennale für Illustration Bratislava 2007 (BIB) sorgte für Begeisterung. Nach 28 Jahren ging der Preis zum dritten Mal nach Deutschland. In der Jurybegründung heißt es: »Einar Turkowski beschreitet neue Wege des Geschichtenerzählens. […] Seine meisterhaften Schwarz-Weiß-Zeichnungen strahlen Humor, Gefühl, Scharfsinn und sogar ›Farbigkeit‹ aus.« Neben seinem grandiosen Debüt gestaltete er auch die Illustrationen für »Die Abenteuer des Baron von Krähenschreck« (2007) des Briten Philip Pullman. Turkowski lebt als freischaffender Illustrator in Martensrade-Ellhornsberg.

© internationales literaturfestival berlin

Einar Turkowski
© Ali Ghandtschi

Berlin View

Einar Turkowskis "Kommabild"

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