Dacia Maraini  [ Italien ]

Biographie

Dacia Maraini Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2008, 2013.

Bibliographie

Tage im August

Piper

München, 2001

[Ü: Herbert Schlüter]

Der Zug in die jüngste Nacht

Piper

München, 2010

[Ü: Eva-Maria Wagner]

La seduzione dell’altrove

Rizzoli

Mailand, 2010

La grande festa

Rizzoli

Mailand, 2011

L’amore rubato

Rizzoli

Mailand, 2012

www.daciamaraini.it

Dacia Maraini

Dacia Maraini wurde 1936 in der toskanischen Stadt Fiesole unweit von Florenz geboren. 1938 siedelten die Eltern mit ihr nach Japan über, wo ihr Vater Fosco Maraini seine ethnologischen Studien betrieb. Wegen ihrer liberalen Überzeugungen wurde die Familie in diversen Lagern interniert. 1946 erfolgte die Rückkehr nach Italien, wo Maraini im sizilianischen Bagheria und nach der Trennung ihrer Eltern bei ihrer Mutter in Palermo aufwuchs. Bereits in jener Zeit begann sie mit dem Schreiben. Mit 18 Jahren zog sie zu ihrem Vater nach Rom, wo sie erste Kurzgeschichten veröffentlichte und 1957 Mitbegründerin der Zeitschrift »Tempo di letteratura« war.

Ihr Debütroman »La vacanza« (1962; dt. »Tage im August«, 1964) wurde sogleich zu einem internationalen, in über ein Dutzend Sprachen übersetzten Bestseller. Dies mag zum einen in Marainis einfühlsamem Ton begründet liegen: Sie beschreibt die jugendlichen Sehnsüchte der adoleszenten Protagonistin Anna, die während eines Sommerurlaubs, zwischen Ennui und Eskapaden, ihre kindliche Unschuld verliert und zum ersten Mal jene existenzielle Leere erahnt, auf die bereits der doppeldeutige Originaltitel hinweist. Zum anderen setzte sich die beim Schreiben der ersten Fassung erst 17-jährige Autorin mit seinerzeit brisanten Themen wie der weiblichen Sexualität sowie der Gesellschaft im faschistischen Italien unter Mussolini auseinander. Anfang der Sechziger lernte sie Alberto Moravia, Autor u.~a. von »Der Konformist« und »Die Verachtung«, kennen. Während ihrer langen Partnerschaft unternahmen sie in den folgenden Jahren zahlreiche Reisen, auf denen sie oft von befreundeten Intellektuellen wie Pier Paolo Pasolini begleitet wurden. In den siebziger Jahren begann Maraini sich politisch zu engagieren, insbesondere für Gleichberechtigung und Frauenrechte – Belange, von denen auch ihr literarisches Schaffen durchdrungen ist. Bis heute veröffentlichte sie 18 Romane sowie mehrere Erzähl-, Lyrik- und Essaybände. Zudem verfasste sie Theaterstücke und Drehbücher, u.~a. für Pasolinis »Erotische Geschichten aus 1001 Nacht« (1974). Im Zentrum ihrer Prosa stehen oftmals historische wie zeitgenössische Frauenfiguren, die sich gegen Gewalt und bürgerliche Biederkeit behaupten. In »Il treno dell’ultima notte« (2008; dt. »Der Zug in die jüngste Nacht«, 2010) befasst sie sich mit der Aufarbeitung der Shoah während des Kalten Kriegs und erzählt in wechselnden Zeitebenen und Perspektiven von der Recherche einer Journalistin.

Seit 2006 ist Maraini Herausgeberin der von Carocci, Moravia und Pasolini begründeten Literaturzeitschrift »Nuovi Argomenti«. Ihr wurde die Ehrendoktorwürde der American University of Middlebury in Vermont, der Università degli Studi dell’Aquila sowie der Universitäten in Foggia und Le Marche verliehen. Außerdem war sie für den Man Booker Prize 2011 nominiert und erhielt 2012 den Premio Campiello für ihr Lebenswerk. Maraini lebt in Rom.

[http://www.dacia-maraini.it/IndexIE.html]

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