Alaa al-Aswani  [ Ägypten ]

Biographie

Alaa al-Aswani Portrait
© Lenos Verlag

Gast des ilb 2008.

Bibliographie

Der Jakubijân-Bau
Lenos
Basel, 2007
[Ü: Hartmut Fähndrich]

Chicago
Lenos
Basel, 2008
[Ü: Hartmut Fähndrich]

Übersetzer: Hartmut Fähndrich

Alaa al-Aswani wurde 1957 in Kairo geboren. Der Sohn eines Schriftstellers und Rechtsanwalts wuchs in einem liberalen Elternhaus auf, in dem namhafte Literaten ein- und ausgingen. Er besuchte das französische Gymnasium seiner Heimatstadt und studierte an der dortigen Universität sowie an der University of Illinois in Chicago Zahnmedizin – bis heute sein Brotberuf. 1990 veröffentlichte er eine erste Sammlung mit Kurzgeschichten. Er war Redakteur der Literaturressorts der Zeitungen »Al-Ahali« und »Al-Shaab«; später veröffentlichte er politische Artikel für die nasseristische (sozialistisch orientierte) Zeitung »Al-Arabi« und schloss sich der Oppositionsbewegung »Kifaja« (Genug) an.

Zu dieser Zeit war sein erster Roman, »Imarat Ya'qoubian« (2002; dt. »Der Jakubijân-Bau«, 2007), schon erschienen. Schauplatz der vielen, ineinander verschlungenen Handlungsstränge ist Wust al-Balad, das Zentrum Kairos, und das dortige Jakubijân-Wohnhaus, in dem al-Aswani jahrelang seine Zahnarztpraxis hatte. Es präsentiert sich als ägyptischer Mikrokosmos und Zeugnis eines kulturellen Verfalls. Während auf dem Dach die Armen, Dienstboten und Zuwanderer vom Land in Verschlägen leben, gehen die Betuchteren in den Wohnungen ihren Geschäften und Leidenschaften nach: Das Büro eines adeligen Grundbesitzers dient ihm als Liebesnest, ein homosexueller Chefredakteur befriedigt und versteckt hier seine Neigungen, eine Zweitfrau wird mit einer eigenen Wohnung bei Laune gehalten. Nachdem ein junger Mann nicht für die Polizeischule zugelassen wird, weil er der Sohn des Hausportiers ist, wendet er sich den islamischen Fundamentalisten zu. Mit sprachlicher Gewandtheit und Humor rührt al-Aswani an gesellschaftliche Tabus und Reizthemen: korrupte Politik, alltägliche Gewalt, geheuchelte Sexualmoral und unüberwindbare Klassenschranken. Nach seiner Verfilmung, die beim Publikum und auf internationalen Festivals erfolgreich war, avancierte der Roman auch in Frankreich und Italien zum Bestseller. In Ägypten ist inzwischen die zwölfte Auflage erschienen.

Al-Aswanis zweiter Roman »Šîkâgû« (2006; dt. »Chicago«, 2008) thematisiert das Zusammenleben verschiedener Kulturen und spiegelt erneut die Missstände seines autokratisch regierten Heimatlandes. Schauplatz der Handlung ist das Histologische Institut der Universität Chicago, wo sich die Wege von Amerikanern unterschiedlicher Herkunft und Ägyptern kreuzen. Für die nordafrikanischen Emigranten ist das Land ihrer Herkunft, das sie voller Illusionen und Hoffnungen auf eine bessere Zukunft verlassen haben, mit dessen Kultur sie jedoch tief verwurzelt sind, allgegenwärtig. In Gestalt des Geheimdienstes folgt ihnen der Schatten des ägyptischen Staates.

Al-Aswanis Romane wurden in zwanzig Sprachen übersetzt. Der Autor wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Prix Roman du Var, dem Bruno-Kreisky-Preis und zuletzt mit dem Rückert-Preis der Stadt Coburg. Er lebt mit seiner Familie in Kairo.

© internationales literaturfestival berlin

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