Ornela Vorpsi  [ Albanien, Frankreich ]

Biographie

Ornela Vorpsi Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2007.

Bibliographie

Nothing obvious
Scalo/Thames & Hudson
Zürich, London, 2001

Buvez du cacao Van Houten!
Actes Sud
Arles, 2005
[Ü: Marianne Véron]

Tessons roses
Actes Sud
Arles, 2006
[Ü: Yann Apperry]

Vert venin
Actes Sud
Arles, 2006
[Ü: Nathalie Bauer]

Vetri rosa
Nottetempo
Rom, 2006

La mano che non mordi
Einaudi
Turin, 2007

Das ewige Leben der Albaner
Zsolnay
Wien, 2007
[Ü: Karin Fleischanderl]

Übersetzung: Yann Apperry, Nathalie Bauer, Karin Fleischanderl, Marianne Véron

Ornela Vorpsi wurde 1968 in Tirana geboren. Sie studierte an der dortigen Akademie der Schönen Künste und siedelte 1991 nach Italien über, wo sie an der Accademia di belle Arti di Brera in Mailand ihr Studium fortsetzte. 1997 graduierte sie an der Université Paris VIII. Seitdem lebt sie als Schriftstellerin, Fotografin, Malerin und Videokünstlerin in der französischen Hauptstadt.

Zunächst war Vorpsi als bildende Künstlerin tätig. Ihre Fotomonografie »Nothing obvious« (2001; Ü: Nichts Offensichtliches) ist eine Beschäftigung mit dem weiblichen Körper, die sich mit kunsthistorischen Anspielungen und handwerklicher Sorgfalt gegen die zeitgenössische Vorliebe für das Element des Zufalls stellt. »In meiner fotografischen Arbeit habe ich mit der ›Nacktheit‹ des weiblichen Körpers immer versucht, einen Zustandbericht von jenseits der Schönheit und der Sinnlichkeit zu geben und damit die Flüchtigkeit des Körpers, den Einfluss der Zeit auf ihn, in Frage zu stellen.« Schönheit, Begehren und Vergänglichkeit sind auch die Schlüsselthemen ihres schriftstellerischen Werks, dem sich Vorpsi in zunehmendem Maße widmet. Ihre auf Italienisch verfassten Texte erscheinen in der Regel zuerst in französischer Übersetzung. Das Aufsehen erregende Debüt »Il paese dove non si muore mai« (2005; dt. »Das ewige Leben der Albaner«, 2007) enthält Prosaskizzen einer albanischen Kindheit und ist eine harsche Abrechnung mit dem Herkunftsland der Autorin zur Zeit des Kommunismus. Die junge Protagonistin ist der Rohheit der Gesellschaft, in der sie aufwächst, ungeschützt ausgeliefert. In der Mischung aus Begehren und Hass, mit der sich die Geschlechter begegnen, und der grausamen Willkür des politischen Systems erfährt sie die fundamentale Absurdität des Lebens. Der Vater der Protagonistin wird aus unnachvollziehbaren, angeblich politischen Gründen inhaftiert, die Dorflehrerin begegnet dem Glauben des Kindes an Engel mit einem erhitzten Lineal – und prügelt doch nur ihren Neid auf dessen attraktive Mutter heraus, die sich für die Männer schön macht, um sie dann mit Verachtung zu strafen.

Die Rolle des befremdeten Betrachters nimmt Vorpsi auch in den dreizehn Kurzerzählungen »Buvez du cacao Van Houten!« (2005; Ü: Trinken Sie Van-Houten-Kakao!) ein. 2006 erschien »Vetri rosa« (Ü: Rosa Scherben) mit Fotografien der Autorin nach Texten, die Vorpsi als Stipendiatin der Villa Kujovama bei Kioto verfasste. Ihr jüngstes Werk, »La mano che non mordi« (2007; Ü: Die Hand, die man nicht beißt), spielt im ehemaligen Jugoslawien, das auf unheimliche Weise ihrem Heimatland gleicht.

Unter Vorpsis Auszeichnungen sind der renommierte italienische Literaturpreis Grinzane Cavour, der Premio Viareggio, der Premio Elio Vittorini, der Premio città di Vigevano und der Prix méditerranéen des Lycéen. Die Künstlerin war bis heute auf zahlreichen Kunstausstellungen in Frankreich, Italien, Montenegro, Albanien und Belgien vertreten. Sie lebt derzeit als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD (2007/2008) in Berlin.

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