Moni Nilsson  [ Schweden ]

Biographie

Moni Nilsson Portrait
© Karl Gabor

Gast des ilb 2007.

Bibliographie

Bartholomäus und das Gespenst
Ueberreuter
Wien, 1987
[Ü: Christine Schedel]

Tsatsiki och morsan
Natur & Kultur
Stockholm, 1995
[Ill: Pija Lindenbaum]

Tsatsiki-Tsatsik
Oetinger
Hamburg, 1997
[Ü: Angelika Kutsch]

Tsatsiki, Karate oder Schmusetanz
Oetinger
Hamburg, 1998
[Ü: Angelika Kutsch]

Siki og kærligheden
Gyldendal
Kopenhagen, 2000

Tsatsiki, Tintenfische und erste Küsse
Oetinger
Hamburg, 2002
[Ü: Angelika Kutsch]
[Ill: Katja Kersting]

Tsatsiki, Blutsbrüder und andere Geschwister
Oetinger
Hamburg, 2001
[Ü: Angelika Kutsch]

Tsatsiki, Zoff und ziemlich viel Glück
Oetinger
Hamburg, 2002
[Ü: Angelika Kutsch]
[Ill. Wolfgang Slawski]

Flucht nach Zaraterra
Egmont
München, 2003
[Ü: Sarah Bosse]

Klassresan
Natur & Kultur
Stockholm, 2006
[Ill: Jojo Brännström]

Malin + Rasmus = sant
Natur & Kultur
Stockholm, 2006
[Ill: Jojo Brännström]

Salmiak und Spocke
Gerstenberg
Hildesheim, 2007
[Ü: Christel Hildebrandt]
[Ill: Sonja Bougaeva]

Sejtes skatt
Natur & Kultur
Stockholm, 2007

Hoppet
Natur & Kultur
Stockholm, 2007

Übersetzer: Christel Hildebrandt, Angelika Kutsch, Christine Schedel

Moni Nilsson, Kinderbuchschriftstellerin und Drehbuchautorin, wurde 1955 in Bandhagen geboren und verbrachte ihre Kindheit in Kungsholmen, einem Stadtteil von Stockholm. Sie wuchs in einer unangepassten Familie auf, in der Toleranz und Vertrauen gelebt wurden. Ihre Mutter war während des Zweiten Weltkriegs als jüdisches Flüchtlingskind nach Schweden gekommen, wo sie zum Entsetzen der jüdischen Gemeinde einen Nicht-Juden heiratete. Die Konflikte zwischen den jüdischen und christlichen Verwandten und Freunden führten dazu, dass Moni Nilsson frei erzogen wurde, die Familie viel reiste und Künstler in ihrem Elternhaus ein- und ausgingen. Diese unkonventionelle Kindheit sollte Moni Nilssons Texten einen besonderen Ton verleihen. Nach einer unsteten Schulzeit machte sie ihren Abschluss und begegnete ihrem zukünftigen Ehemann. Als der älteste ihrer drei Söhne in den Kindergarten kam, entstand Moni Nilssons erstes Kinderbuch. Es sollten Jahre vergehen, bis sie mit der fünfteiligen »Tsatsiki«-Reihe zu einer der wichtigsten Kinderbuchautorinnen ihres Heimatlandes avancierte. Bis dahin war sie nach eigenen Worten die »am häufigsten abgelehnte Autorin« Schwedens und arbeitete als Flugzeugreinemachfrau, Aushilfslehrerin, Kindergärtnerin, Übersetzerin und Redakteurin eines Kinderradios. 1995 erschien »Tsatsiki och morsan« (dt. »Tsatsiki-Tsatsiki«, 1997) – Auftakt zu einer der bekanntesten Kinderbuchreihen der neunziger Jahre, vielfach übersetzt und überaus erfolgreich für das Kino verfilmt.

Von Buch zu Buch erzählt Nilsson Episoden aus dem Leben des achtjährigen Tsatsiki-Tsatsiki Johansson, der mit seiner Mutter, einer überkandidelten Rockmusikerin, in Stockholm wohnt und dessen Vater in Griechenland lebt. Unbeschwert und voller Witz lotet Nilsson die innige Mutter-Kind-Beziehung und die Facetten kindlichen Heranwachsens aus. In aberwitzigen Szenen schildert sie, wie Tsatsiki zum ersten Mal nach Griechenland reist und sein Vater, ein Oktopus-Fischer, prompt in Ohnmacht fällt oder wie Tsatsiki und sein Freund Per mit ihrer Band »Die brüllenden Fräcke« Furore machen. In liebevollen Details und unausgesprochenen Botschaften spiegeln die »Tsatsiki«-Romane Moni Nilssons Anspruch, Verständnis für verschiedene Kulturen und Lebensformen zu wecken und das Wunder der Kindheit in all seiner Magie und Ernsthaftigkeit zu begreifen. »Lesen sollte ein Abenteuer sein«, sagt die Autorin. »Ich möchte Vorurteile zerschlagen. Ich möchte aufrütteln und sowohl Kinder als auch Erwachsene dazu bewegen, in neue Richtungen zu denken.« So wächst Tsatsiki in einer modernen Patchworkfamilie zwischen zwei Kulturen auf. In »Tsatsiki och Retzina« (2001; dt. »Tsatsiki, Zoff und ziemlich viel Glück«, 2002) wird eine Idee von der Zerbrechlichkeit der Demokratie vermittelt, als Tsatsikis Mutter an einem Anti-Rassismus-Konzert teilnehmen will und Drohbriefe erhält.

Mit »Hoppet« (Ü: Der Sprung), einer Geschichte über zwei kurdische Flüchtlingsjungen in Stockholm, legte Nilsson 2007 erneut ein eindrucksvolles Projekt als Drehbuchautorin und Jugendbuchschriftstellerin vor. Moni Nilsson ist Preisträgerin der Nils-Holgersson-Plakette (1998) und lebt auch heute in Kungsholmen.

©  internationales literaturfestival berlin

Berlin View

Morgengrauen.

Alles und alle schlafen. Eine Tasse Kaffee, viel Kaffee, Stille und eine leere Seite.
Ich mache den ersten Schritt, ohne zu wissen, wohin er mich führt. Lasse die Finger auf den Tasten meine Reiseleiter sein.
Ein Abenteuer.
Es führt mich an Plätze, die ich nie zuvor besucht habe. Und ich bleibe dort, verloren.
Ein Auto hupt, ein Kind hat Hunger, ein Telefon klingelt. Und mein Schreibzimmer ist zu einem normalen Arbeitsraum geworden.

[Aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt]