Ferréz (Reginaldo Ferreira da Silva)  [ Brasilien ]

Biographie

Ferréz (Reginaldo Ferreira da Silva) Portrait
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2007.

Bibliographie

Capão Pecado
Labortexto Editorial
São Paulo, 2000

Manual Práctico do Ódio
Objetiva
Rio de Janeiro, 2003

Amanhecer Esmeralda
Objetiva
Rio de Janeiro, 2005

Literatura marginal
Agir
Rio de Janeiro, 2005

Ninguém é Inocente em São Paulo
Objetiva
Rio de Janeiro, 2006

Übersetzer: Nicolai von Schweder-Schreiner

Ferréz, mit bürgerlichem  Namen Reginaldo Ferreira da Silva, wurde 1975 in der Favela Valo Velho in der südlichen Peripherie São Paulos geboren. Sein Künstlername stellt eine Hommage an zwei brasilianische Volkshelden dar: den berühmten Lampião (eigentlich Virgulino Ferreira) aus dem brasilianischen Nordosten und Zumbi, den legendären Sklaven-Anführer. Bereits mit sieben Jahren begann Ferréz Lyrik und Rap-Texte zu schreiben. Trotz äußerst schlechter Bildungsbedingungen machte er sich mit der Literatur vertraut. Nach der Schulzeit arbeitet er u.a. als Besenverkäufer, Hilfsarbeiter und Archivar. Inzwischen gilt er als wichtiger literarischer Repräsentant der brasilianischen Slumperipherie.

Sein erstes Buch, »Fortaleza da Desilusão« (1997; Ü: Kraft der Enttäuschung), eine Sammlung konkreter Poesie, erschien mit finanzieller Unterstützung seines damaligen Arbeitgebers. Bekanntheit erlangte Ferréz mit seinem ersten Roman, »Capão Pecado« (2000; Ü: Capão voller Sünde), den eine brasilianische Tageszeitung als »Postkarte von der anderen Seite der Welt« bezeichnete und der heute als Meilenstein der neuen brasilianischen Literatur gilt. Das Buch beschreibt den gewaltsamen Alltag von Capão Redondo, der gefährlichsten Favela São Paulos. Ferréz’ Anliegen ist es, dem von Polizei und Medien propagierten, einseitigen Bild der Gewalt und Drogen in den Favelas die Würde und das Selbstbewusstsein der dort lebenden Menschen entgegenzusetzen. Sein folgender Roman, »Manual Práctico do Ódio« (2003; Ü: Praktisches Handbuch des Hasses), beschreibt in klarer und rhythmischer Sprache die Geschichte einer Gruppe von Jugendlichen aus dieser Favela, die einen Überfall planen. Es sind Menschen, die ihren Gefühlen nur auf absolut maßlose Weise Ausdruck geben können. Die Kritik bezeichnete das Werk, das in mehreren Ländern erschien, als »einen Schlag in die Magengrube«. In der Erzählsammlung »Ninguém é Inocente em São Paulo« (2006; Ü: Niemand ist unschuldig in São Paulo) schildert der Autor Begebenheiten aus dem »wahren São Paulo fernab der Wolkenkratzer der Avenida Paulista«.

Ferréz ist auch als Rapper, Hip-Hopper und Kulturmanager seiner Favela aktiv. 1999 gründete er die Initiative 1DASUL (Einer aus dem Süden), die über Einnahmen aus Shows, Lesungen und den Verkauf von T-Shirts kulturelle Projekte in der Peripherie fördert. Von 2000 bis 2006 schrieb er Kolumnen für die Monatszeitschrift »Caros Amigos«. 2005 veröffentlichte er das Kinderbuch »Amanhecer Esmeralda« (Ü: Smaragdgrüner Tagesanbruch).

Für seine 2001 gegründete Zeitschrift »Literatura Marginal« wurde er mit dem renommierten Kritikerpreis Prêmio da Associaçao Paulista de Críticos de Arte ausgezeichnet. Neben dem Literaturpreis Prêmio Hútuz erhielt er u.a. den Prêmio Cooperifa für sein Lebenswerk und sein soziales Engagement. Ferréz lebt in der Favela Capão Redondo.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.ferrez.com.br]