Christian Kracht  [ Schweiz ]

Biographie

Christian Kracht Portrait
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2007.

Bibliographie

Faserland
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1995

Ferien für immer
[mit Eckhart Nickel]
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1998

Tristesse Royale
Ullstein
München, 1999

Der gelbe Bleistift
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2000

1979
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2001

Mesopotamia [Hg.]
dtv
München, 2001

New wave
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2006

Die totale Erinnerung
[mit Eva Munz, Lukas Nikol]
Rogner & Bernhard
Berlin, 2006

Metan
[mit Ingo Niermann]
Rogner & Bernhard
Berlin, 2007

Christian Kracht wurde 1966 im schweizerischen Gstaad geboren. Seine Jugend verbrachte er in Deutschland, den USA, Kanada und Südfrankreich. Nachdem er als Reporter bereits für die »BZ« sowie für »Tempo« und den »Spiegel« gearbeitet hatte, wurde er Mitte der neunziger Jahre Indienkorrespondent des »Spiegel« in Neu-Delhi. Anschließend lebte er in Bangkok und Nepal. Seine Erfahrungen, die er auf Reisen durch verschiedene asiatische Länder sammelte, beschrieb er für die »Welt am Sonntag« in Reiseberichten, die später in dem Band »Der gelbe Bleistift« (2000) erschienen. Nach der Herausgabe des befristet angelegten Magazins »Der Freund« (2004-2006), das sich auch durch die Verweigerung gegenüber Fotos, Anzeigen sowie durch ein eigenwilliges Format deutlich von anderen deutschen Presseerzeugnissen absetzte, begann er als Kolumnist für die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« zu arbeiten.

Als feiner Stilist unumstritten, provoziert Kracht mit Ironie und seinem ostentativen Eintreten für Leichtigkeit und Oberfläche. Er trat Mitte der neunziger Jahre mit dem Roman »Faserland« (1995) als Vertreter der Popliteratur ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit. Darin streift ein Ich-Erzähler durch die Party- und Drogenszene des zeitgenössischen Deutschlands. Von den einen als erster deutscher Poproman im Stil von Bret Easton Ellis gefeiert, wurde das Werk auch als eine Auseinandersetzung mit der Krise der westlichen Gesellschaft in ihrer individuellen und nationalen Identitätsfindung begriffen. 1999 trat Kracht zusammen mit Joachim Bessing, Eckhart Nickel, Alexander von Schönburg und Benjamin von Stuckrad-Barre als »popkulturelles Quintett« auf und veröffentlichte mit ihnen »Tristesse Royale«.

Überrascht von einer neuen Ernsthaftigkeit zeigte sich ein Teil des Literaturbetriebs angesichts von Krachts zweitem Roman »1979« (2001). Der Autor stellt darin die als dekadent und ohnmächtig geschilderte westliche Welt in Gestalt seines Protagonisten den totalitären Systemen des Maoismus und des Islam gegenüber. Während die Kritik eine Neupositionierung Krachts vermutete, betont der Autor die Kontinuität seiner Romane. Beide Hauptfiguren stellten dasselbe »Projekt« dar, das lediglich verschiedenen Umständen ausgesetzt werde.

Kracht zog sich den Vorwurf zu, die Ästhetik über die Ethik zu stellen, als er den Bildband »Die totale Erinnerung« (2006) mitgestaltete. Darin wird das für ausländische Besucher inszenierte Nordkorea Kim Jong Ils gezeigt. Kracht, durchaus in der Tradition des Dandys stehend, beruft sich auf Flaubert und überlässt wie dieser die Interpretation und moralische Schlussfolgerungen aus den Werken dem Leser.

Krachts neustes Buch »Metan« (2007) wurde in Zusammenarbeit mit Ingo Niermann geschreiben und stieß erneut auf geteilte Kritik. Die ironische Weltverschwörungstheorie weist diesem Gas eine ganz neue Rolle zu. Kracht ist Preisträger des Axel-Springer-Preises. Er lebt an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.christiankracht.com]

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