Cécile Wajsbrot  [ Frankreich ]

Biographie

Cécile Wajsbrot Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2007.

Bibliographie

Une vie à soi
Mercure de France
Paris, 1982

Violet Trefusis
Mercure de France
Paris, 1989

La fidélité [Hg.]
Éd. Autrement
Paris, 1990

Europe centrale [Hg.]
Éd. Autrement 
Paris, 1991

Atlantique
Zulma
Cadeilhan, 1993

Mariane Klinger 
Zulma
Cadeilhan, 1996

Pour la littérature
Zulma
Cadeilhan, 1999

Le désir d'équateur
Éd. Le Cercle Poche
Paris, 2001

Nocturnes 
Zulma
Cadeilhan, 2002

Mann und Frau den Mond betrachtend
Liebeskind
München, 2003
[Ü: Holger Fock, Sabine Müller]

Beaune-la-Rolande
Zulma
Cadeilhan, 2004

Le tour du lac
Zulma
Cadeilhan, 2004

Im Schatten der Tage
Liebeskind
München, 2004
[Ü: Holger Fock, Sabine Müller]

Mémorial
Cadeilhan
Paris, 2005

Der Verrat
Liebeskind
München, 2006
[Ü: Holger Fock, Sabine Müller]

Conversations avec le maître 
Denoël
Paris, 2007

Übersetzer: Holger Fock, Sabine Müller

Cécile Wajsbrot wurde 1954 als Tochter polnischer Juden in Paris geboren. Ihre Familie war nach Frankreich geflüchtet, wo der Großvater der Deportation nicht entging; später wurde er in Auschwitz ermordet. Mutter sowie Großmutter entkamen nur knapp einer Razzia. Dieses Schicksal ihrer Familie und die kaum bzw. spät aufgearbeitete Vergangenheit des mit Nazi-Deutschland kollaborierenden französischen Staates sind wiederkehrende Themen in Wajsbrots Werk. Sie studierte zunächst Vergleichende Literaturwissenschaft und arbeitete acht Jahre lang als Französischlehrerin, bis ihr erster Roman erschien, »Une vie à soi« (1982; Ü: Ein Leben für sich). Danach war sie als Journalistin und Literaturredakteurin für Presse und Hörfunk tätig. Seit Anfang der neunziger Jahre arbeitet sie als freie Schriftstellerin und Übersetzerin aus dem Englischen und Deutschen. Sie übertrug u.a. Virginia Woolf, Suzan Wicks, Charles Olson, Gert Ledig und Wolfgang Büscher.
Wajsbrots Werke bilden einen Gegenpol zur an Polemik und Pathos reichen neueren französischen Literatur eines Houellebecq und Beigbeder. Gleichzeitig wendet sich die Schriftstellerin gegen die artistische, selbstreferenzielle Manier des Nouveau Roman und einen an der postmodernen »écriture« ausgerichteten Literaturbegriff. »Der Nouveau Roman und alles, was danach in Frankreich geschah, verdeckt ein Schweigen. ... Die écriture ist wesentlich narzisstisch. Die Literatur dagegen bezieht Andere in ihre Darstellung ein«, fasst Wajsbrot ihre viel beachtete Streitschrift »Pour la littérature« (1999; Ü: Für die Literatur) zusammen. Ihre eigenen Werke thematisieren die Rolle von Erinnerung sowie Gedächtnis und loten die Möglichkeit interpersonaler Kommunikation aus.
In deutscher S pr ache erschien zuletzt das relativ frühe Werk »La Trahison« (1997; dt. »Der Verrat«, 2006). Es berichtet von einem altgedienten Radiomoderator, der von einer jungen Kollegin interviewt wird und dabei beginnt, sich seiner bislang verdrängten Vergangenheit zu stellen. Die Erinnerung an sein feiges Verhalten gegenüber seiner jüdischen Geliebten während der Besatzungszeit lässt ihn schließlich Selbstmord begehen. Die oft als »Kammerspiel« charakterisierte Erzählung »Nation par Barbès« (2001; dt. »Im Schatten der Tage«, 2004) schildert drei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten: eine illegale bulgarische Einwanderin in Paris, einen unternehmungslustigen Studenten und eine schüchterne junge Sekretärin. Ihre Wege kreuzen sich in der Metro, ohne dass sich ihre Hoffnungen gegenüber einander erfüllen. In »Caspar Friedrich Strasse« (2002; dt. »Mann und Frau den Mond betrachtend«, 2003) entwirft Wajsbrot, die seit einigen Jahren auch in Berlin lebt, die Rede eines fiktiven ostdeutschen Lyrikers. Anlässlich einer Straßeneinweihung vergegenwärtigt er Erinnerungen an die deutsche und an seine persönliche Geschichte. Das jüngste Werk der Autorin, »Mémorial« (2005; Ü: Denkmal), beschreibt die Polenreise einer jungen Frau auf den Spuren ihrer Vorfahren. Es erscheint nächstes Frühjahr in deutscher Übersetzung. Wajsbrot ist 2007/2008 Gast des Berliner Künstler pr ogramms des DAAD.

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

Schreiben ist wie eine Insel, an der man anlegt, ohne es zu wissen, deren verborgene Wege man durchschreitet. Erst hinterher, im Moment, da man sie verlässt, erblickt man das umliegende Meer, entdeckt man, wo man war – während man auf das Boot wartet, das einen zum Festland zurückbringt, zum alltäglichen Leben. Man wäre versucht zu bleiben, doch das Leben auf der Insel nährt sich aus dem Bestehen von Abenteuern auf hoher See, nährt sich aus den Gerüchten vom Festland.