Yanick Lahens  [ Haiti ]

Biographie

Yanick Lahens Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

L’exil entre l’ancrage et la fuite
Deschamps
Port-au-Prince, 1990

Tante Résia et les Dieux
Paris
L'Harmattan, 1994

La petite corruption
Mémoire
Port-au-Prince, 1999

Tanz der Ahnen
Rotpunktverlag
Zürich, 2004
[Ü: Jutta Himmelreich]

Yanick Lahens wurde 1953 in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince geboren. Sie erhielt ihre höhere Schulausbildung in Paris, wo sie an der Sorbonne Literaturwissenschaft studierte. Danach kehrte sie nach Haiti zurück und lehrte dort bis 1995 an der staatlichen Universität Ecole Normale Supérieure. Später arbeitete sie für das Kulturministerium. Sie leitete 1998 das Projekt »Route de l'esclavage«, das sich anhand von wissenschaftlichen und künstlerischen Arbeiten und Aktionen mit dem lokalen Erbe der Sklaverei auseinandersetzt. Als Gründungsmitglied der haitianischen Schriftstellervereinigung, die landesweit Lesungen in Schulen veranstaltet, setzt sie sich für die Bekämpfung des Analphabetismus ein. Lahens ist Moderatorin der Radiosendung »Entre Nous« und schreibt regelmäßig für Kulturzeitschriften Haitis und der Antillen, darunter »Chemins critiques«, »Cultura« und »Boutures«. Daneben ist sie Mitglied des Conseil International d’Etudes Francophones, einer internationalen Vereinigung zur Förderung der frankophonen Kultur, und führt ein Projekt zum Gesellschaftsvertrag in Zusammenarbeit mit der größten Plattform von Zivilgesellschaftsorganisationen durch. Sie lehrt an der Universität in Port-au-Prince. Lahens begann erst relativ spät, eigene literarische Werke zu verfassen. Zunächst veröffentlichte sie zahlreiche literaturwissenschaftliche Essays, beispielsweise über die haitianische Schriftstellerin Marie Chauvet und über Faulkner. 1990 erschien ihr erster ins Englische übersetzter Essay »L’exil entre l’ancrage et la fuite: l’écrivain haïtien« (Ü: Das Exil zwischen Verankerung und Flucht: der haitianische Schriftsteller), in dem sie den besonderen Status der haitianischen Literatur analysiert, die vor allem im Exil verfasst wurde. Seit der Veröffentlichung ihrer ersten Kurzgeschichtensammlung, »Tante Résia et les Dieux« (1994; Ü: Tante Résia und die Götter) publiziert Lahens regelmäßig Erzählungen. Darin thematisiert sie in nüchternem Duktus, der die Welt der Gefühle umso deutlicher hervortreten lässt, so unterschiedliche Themen wie die alltägliche Gewalt gegen Frauen, die Lebensumstände heutiger Jugendlicher oder die schwierigen Verhältnisse des Lebens in der Stadt. Ihr erster, auch ins Deutsche übersetzte Roman »Dans la maison du père« (2000; dt. »Tanz der Ahnen«, 2004), thematisiert die problematische Annäherung an die afro-karibischen Wurzeln Haitis. Die Protagonistin, eine behütete Tochter aus dem haitianischen Mittelstand, entdeckt zum Entsetzen ihrer westlich orientierten Eltern ihre Leidenschaft für den traditionellen Voodoo-Tanz. Die Geschichte über eine persönliche Emanzipation und Identitätssuche ist gleichzeitig ein erhellendes Porträt eines Landes, das sich zwar als erste lateinamerikanische Nation die Unabhängigkeit erstritt, heute aber zu den Schlusslichtern der Entwicklungsländer zählt. 2002 wurde die Autorin auf der Leipziger Buchmesse mit dem »Förderpreis der Initiative LiBeraturpreis« ausgezeichnet. Nach Erscheinen ihrer dritten Kurzgeschichtensammlung »La folie était venue avec la pluie« (2006; Ü: Der Wahnsinn kam mit dem Regen), bereitet Lahens nun ihren zweiten Roman vor. Die Autorin lebt in Port-au-Prince.

© internationales literaturfestival berlin

Yanick Lahens
© Ali Ghandtschi