László Végel  [ Serbien ]

Biographie

László Végel Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

»Kümmre dich nicht um die Welt, halte dich nur an die Landstraße« in:
Draußen das Lamm, drinnen der Wolf
LCB-Editionen
Berlin, 1985

Ábrahám kése
Forum Könyvkiadó
Újvidé, 1988

Újvidéki trilógia
Jelenkor
Pécs, 1993

Peremvidéki élet
Forum Könyvkiadó
Újvidé, 2000

Exterritórium
Jelenkor
Pécs, 2000

Aufsätze in:
Sinn und Form
3/1995
5,6/1996
1,2/2002
9/2003
Aufbau-Verlag
Berlin

László Végel wurde 1941 in Srbobran, in der jugoslawischen Wojwodina, als Angehöriger der ungarischen Minderheit geboren. Er studierte im nahegelegenen Novi Sad sowie in Belgrad und arbeitete anschließend als Journalist, u.a. als Redakteur der Tageszeitung »Magyar Szó« und als Mitherausgeber der ebenfalls ungarischen Monatszeitung »Uj Symposion«. Als Dramaturg für das Fernsehen von Novi Sad sowie für das Volkstheater von Subotica verfasste er mehrere Drehbücher und Bühnenstücke. Daneben schrieb er Romane und Essays, die bisweilen schon vor der ungarischen Originalfassung auf Serbokroatisch publiziert wurden.

1967 erschien Végels episches Debüt »Egy makro emlékiratai« (Ü: Die großen Erinnerungsschriften), das ein Vierteljahrhundert später mit den Nachfolgebänden »Àttüntetések« (1984; Ü: Überblicke) und »Eckhart gyûrûje« (1989; Ü: Eckharts Ring) unter dem Titel »Újvidéki trilógia« (1993; Ü: Novi-Sad-Trilogie) veröffentlicht wurde und als sein Hauptwerk gilt. Heimatlosigkeit und Außenseitertum sind bereits darin und später in zunehmendem Maße Végels zentrale Themen, wobei die multiethnische Stadt Novi Sad für zunächst erhoffte, dann erzwungene und nach der Zäsur des Balkankriegs schließlich für verlorene kulturelle Diversität steht. Seine in dem Essayband »Peremvidéki élet« (1993; Ü: Leben im Randgebiet) geprägte Selbstcharakterisierung als »heimatloser Lokalpatriot« verlor endgültig ihre Berechtigung – wie er in einem Aufsatz von 2002 schreibt –, als mit dem steigenden und im Krieg kollabierenden Nationalismus der letzte Rest von Zugehörigkeitsgefühl zu einem Land oder einer Gesellschaft verschwand und die prekäre Lage der Minderheiten vollends zur aussichtslosen Situation wurde. »Der Krieg nimmt all jenen die Heimat, die nicht in diese oder jene Nationalgeschichte, in diese oder jene Gemeinschaft hineingeboren wurden. Wer aus der großen kollektiven Erzählung ausgestoßen, wer in Acht und Bann getan wurde, sich also seinen Verstand und seine Unabhängigkeit bewahrt hat, allein der besitzt noch Individualität. Doch dafür bezahlt er einen hohen Preis: Er verliert die Heimat.«

Von 1994 bis zur Schließung im Jahr 2001 leitete Végel das Büro der Soros-Stiftung in Novi Sad. Er veranstaltete u.a. Gespräche wie den dritten »Balkan-Rundtisch«, an dem Kulturschaffende aus Ungarn, Deutschland, der Slowakei, Rumänien sowie aus Serbien und Montenegro über die »Probleme der Grenzidentität und die Phänomenologie der lokalen, kleinen Kulturen« diskutierten.

Bislang erschienen zwei von Végels Erzählungen auf Deutsch (in der Anthologie »Draußen das Lamm, drinnen der Wolf« (1985) und in der Zeitschrift »Neue Literatur«). Außerdem veröffentlichte er mehrere Aufsätze, vor allem in »Sinn und Form«. Für sein Werk wurde er mit dem Tibor-Déry-Preis, der Goldmedaille des Präsidenten der Republik Ungarn und dem Milán-Füst-Preis ausgezeichnet. 2005 erhielt er das Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Ungarn. Végel war bis Februar 2006 zu Gast im Heinrich Böll Haus und ist zurzeit Stipendiat des DAAD in Berlin.

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

Újvidék, a kelet-közép-európai peremvidék. Vagy a balkáni peremvidék. Gyakran gondolok Grass Danzigjére vagy Magris Triesztjére. De legtöbbet mégis Márai Sándor Kassájára, hiszen valami itt is meghalni készül. Magyar író, mosolygok magamban. Hazátlan lokálpatrióta! Olyan ez, mint egy borghesi történet. Kihalófélben levő kentaurnak vélem magam, mivel az Újvidékhez hasonlatos kisvárosok kihalnak. Újvidék, Kassa, és még néhány város a régióban talán jobban jelképezi Közép-Európa elrablását, mint ahogy azt Kundera elképzelte.  Pótolják majd őket a nagy nyugati metropolisok, a nemzetállamok „elfajzott” szigetei.

Pedig nem így indult a történet. "Nominentur Neoplanta", jegyezte fel latinul Mária Terézia 1748 február 1-én az újvidéki polgárok írásos kérvényére, amelyben kérik, hogy a Péterváradi Sáncok nyerjék el a szabad királyi város címet. És megfogalmazódott kozmopolita óhaj is: minden nép saját nyelvén nevezze meg a városát: Újvidék, Neusatz, Novi sad.

Mi lett belőle? Festői kisváros, mondja a kíváncsi idegen, aki megtekinti legrégibb utcáját, a Duna utcát. Pannon idill, bólogat az elegáns nagyvilági hölgy, aki időnként meglátogatja a bennszülötteket. Megnemesített barbárság, jegyzi meg egy véletlenül betévedt külföldi gentleman. A déli Közép-Európa, szól közbe félénken egy gyökértelen álmodozó. Az északi Balkán, inti le egy a realitásokkal számoló, tagbaszakadt férfiú. Roppant boldogtalan kilátóhely, Európa négy égtájára nyíló, ködbevesző pont, révedezik magában, aki hosszabb időt töltött el ebben a városban, tehát naponta végigbaktatott a Duna utcán, s megleste a mellette elhaladó emberek bizonytalan tekintetét, miközben megundorodott minden nosztalgiától.

Néha arra gondolok, hogy soha sem távozom a Duna utcából, örökre itt maradok, toporgok, mint egy elfelejtett strázsáló, aki elfelejtette a jelszót, azt sem tudja, mit kell őriznie, feleslegesen őrködik, de mégis marad, mert nincs hová visszavonulnia; nem a felszentelt lokálpatriotizmus vezérli, hisz céltalan ragaszkodásával csak az otthontalanságot tudatosítja magában. Úgy állok a Duna utca közepén, mint az őr, aki nem kell senkinek. Figyelek és várok. Valójában otthontalan vagyok, mint sokan, akik céltalanul őrködnek Megint Máraival bizonyitok: „Amikor az ember hazátlan, egyszerre az egész világ meghitt és ismerős.” Így lettem kentaur-kozmopolita.

Novi Sader, Újvidéker, Neusatzer Topos

Novi Sad, Újvidék, Neusatz – ein Randgebiet. Das heißt Randgebiet der Balkanhalbinsel. Oft muß ich an Günter Grass' Danzig oder Claudio Magris' Triest denken. Doch vor allem an Sándor Márais Kassa oder Kaschau, heute Kosice. Denn auch hier schickt sich etwas an zu sterben. »Ein ungarischer Schriftsteller«, lächle ich kaum merklich. »Heimatloser Lokalpatriot!« Das könnte eine Erzählung von Borges sein. Wie ein vom Aussterben bedrohter Kentaur empfinde ich mich, denn die Novi Sad gleichenden Kleinstädte sterben aus. Neusatz, Kaschau und noch einige andere Städte in der Region symbolisieren den Raub Mitteleuropas vielleicht besser, als Milan Kundera es sich vorgestellt hat. Dereinst werden sie durch die großen westlichen Metropolen ersetzt werden, durch die »entarteten« Inseln der Nationalstaaten.

Dabei hat die Geschichte keineswegs so begonnen. »Nominentur Neoplanta«, notierte Maria Theresa am 1. Februar 1748 als Reaktion auf ein schriftlich eingereichtes Gesuch der Neusatzer Bürger, man möge den Peterwardeiner Schanzen den Titel einer königlichen Freistadt verleihen. Und auch ein kosmopolitisches Verlangen wurde artikuliert: Jede Volksgruppe solle die Stadt entsprechend der eigenen Sprache nennen – Újvidék, Neusatz, Novi Sad.

Was ist daraus geworden? Eine malerische Kleinstadt, sagt der neugierige Fremde, der einen Blick in die älteste Straße der Stadt wirft, in die Duna utca. Eine pannonische Idylle, nickt eine elegante, weltgewandte Dame, die den Einheimischen von Zeit zu Zeit einen Besuch abstattet. Eine veredelte Barbarei, merkt ein ausländischer Gentleman an, der sich zufällig hierher verirrt hat. Südliches Mitteleuropa, läßt sich ängstlich ein entwurzelter Träumer vernehmen. Nördlicher Balkan, winkt ein vierschrötiger und stets mit den Realitäten rechnender Mann ab. Ein ziemlich unglücklicher Aussichtspunkt, nach vier Himmelsrichtungen Europas sich öffnend, sich im Nebel verlierend, döst einer vor sich hin, der längere Zeit in dieser Stadt zugebracht hat, also tagtäglich durch die Duna utca getrottet ist und die unsicheren Blicke der an ihm Vorüberziehenden beobachtete, während er jegliche Nostalgie verabscheute.

Manchmal denke ich daran, die Duna utca nie zu verlassen, auf ewig hier zu bleiben, durch die Straße zu tippeln wie einer, der Wache schiebt und die Losung vergessen hat, nicht einmal weiß, was er behüten soll, auf verlorenem Posten steht, dennoch bleibt, weil es keinen Ort gibt, an den er sich zurückziehen könnte. Leiten läßt er sich keineswegs von geweihtem Lokalpatriotismus, zumal er sich mit seiner ziellosen Anhänglichkeit nur seiner Heimatlosigkeit bewusst wird. Wie ein Posten, den niemand braucht, so stehe ich mitten auf der Duna utca. Beobachte und warte. Wie so viele, die ziellos auf Wache stehen, bin auch ich ohne Zuhause. Und wieder ziehe ich Márai als Zeugen heran: »Ist ein Mensch heimatlos, wird ihm plötzlich die ganze Welt vertraut und bekannt.« So bin ich Kosmopolit geworden, ein Kentaur.

[Aus dem Ungarischen von Hans-Henning Paetzke]