Khaled Najar  [ Tunesien ]

Biographie

Khaled Najar Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

Poèmes pour un ange perdu
Riyad el-Rayyes
London, 1990

Khaled Najar wurde 1949 in Tunis geboren. Er entstammt einer Beduinenfamilie aus dem Süden des Landes. Ende der sechziger Jahre veröffentlichte er seine ersten Gedichte und begann, als Journalist zu arbeiten. Er schrieb für verschiedene arabische Tageszeitungen und Magazine, darunter »Almostaqbal«, »Al Watan Al-Arabi« sowie »Alhayat«, und war Redaktionsmitglied von »Akbar El Adab« in Kairo. Daneben verfasste er auch journalistische Arbeiten für die UNESCO in Paris.

Najar ist ein profunder Kenner sowohl der arabischen wie auch der abendländischen Kultur und gilt als lyrischster Dichter der frankophonen Literatur Tunesiens. Bislang veröffentlichte er allerdings nur einen einzigen Lyrikband, die »Poèmes pour un ange perdu« (1990; Ü: Gedichte für einen verlorenen Engel). Durchaus in der arabischen Tradition stehend, nimmt er Einflüsse vor allem aus der französischen Literatur auf und präsentiert verdichtete, liedhafte Textstücke. Mit ihrer grundlegenden Naturmetaphorik – Sand, Wind, Sonne, Wasser, Nacht sind häufig verwendete Begriffe – würden sie in ihrer Leichtigkeit und der harmonischen Verbindung von Gegensätzen an Haikus erinnern, wären ihnen nicht ein tiefgreifendes Gefühl von Verlust und Sehnsucht eingeschrieben. Najars Gedichte wurden ins Englische, Deutsche, Spanische, Dänische und Italienische übersetzt. Er selbst trat ebenfalls als produktiver Übersetzer hervor und übertrug u.a. Gedichte von Lorca, Valéry, Ungaretti, Saint John Perse, André Velter, Lorand Gaspar, Michel Butor, Georges Schehadé und Etel Adnan ins Arabische. Zahlreiche seiner Übersetzungen sind als Monografien erschienen.

1991 gründete Najar den Verlag Tawbaad, der die zweisprachige Zeitschrift »Le Livre des questions« herausbringt und – mit Hilfe von so namhaften Autoren wie Adonis oder Michel Butor – literarische Texte und kulturelle Debatten auf Arabisch und Französisch präsentiert. Die polemische Konfrontation nicht scheuend, treffen darin arabische und europäische Perspektiven aufeinander.

Zahlreiche Reisen führten den Autor nach Nordamerika, Europa und in den Mittleren Orient, worüber er in Reportagen berichtete, wie z.B. in »Les solitudes de Coghnawagha« (Ü: Formen der Einsamkeit in Coghnawagha) über die Indianer Amerikas. Zudem führte er Interviews mit Autoren wie Alberto Moravia, Nagib Machfus und Jannis Ritsos. Najar lebt in Tunis.

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