Istvan Vörös  [ Ungarn ]

Biographie

Istvan Vörös Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

Só, kenyér
Eötvös könyvek
Budapest, 1988

Innenvilág
Széphalom
Budapest, 1988

A darázs tanításai
Jelenkor
Pecs, 2000

A kéz öt ujja
Jelenkor
Pecs, 2001

Heidegger, a postahivatalnok
Jelenkor
Pecs, 2003

Die leere Grapefruit
Edition Korrespondenzen
Wien, 2004
[Ü: Zsuzsanna Gahse]

A hajnali tolvaj
Csimota Könyvkiadó
Budapest, 2004

Gregorián az erdön
Jelenkor
Pecs, 2005

István Vörös wurde 1964 in Budapest geboren. Neben Tätigkeiten als Bibliotheksmagazinist und Hilfsarbeiter im Museum veröffentlichte er 1988 den Gedichtband »Só, kenyér« (Ü: Salz, Brot) sowie die Kurzgeschichtensammlung »Innenvilág« (Ü: Die Welt ab hier). Nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft studierte er Ungarische und Tschechische Philologie, arbeitete anschließend als Lektor und promovierte 1998. Gegenwärtig lehrt er am Institut für Tschechische Philologie an der Katholischen Universität in Budapest und unterrichtet auch Kreatives Schreiben.

Vörös gehört zu den bekanntesten ungarischen Lyrikern seiner Generation. Neben zehn Gedichtbänden verfasste er auch Essays, Rezensionen und Kurzgeschichten. Für seine Übersetzungen tschechischer Autoren - darunter Miroslav Holub, Ivan Wernisch, Petr Borkovec und Vladimír Holan - wurde er mit ungarischen und tschechischen Preisen wie dem Milán-Füst-Preis und zuletzt dem Prager Premia Bohemica ausgezeichnet. Seine eigenen Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt, darunter Englisch, Französisch, Italienisch, Slowenisch, Slowakisch, Rumänisch, Polnisch, Bulgarisch und Tschechisch. Sie wurden in Anthologien wie »Contemporary Hungarian Poetry« (1997; Ü: Zeitgenössische ungarische Lyrik) und »Budapester Szenen« (1999) aufgenommen. Auf Deutsch erschien auch der Gedichtband »Die leere Grapefruit« (2004; nach dem titelgebenden Gedicht »Az üres grapefruit«), eine Auswahl aus »A darázs tanításai« (2000; Ü: Die Lehre der Wespe), neben bis dahin unveröffentlichten Gedichten. Es sind einprägsame, präzise formulierte Bilder aus dem Alltag, die ins Traumhafte und Surreale fortgeführt werden und dabei einen vagen allegorischen Charakter annehmen. Die Mutter beim Strudelbacken während ihr Enkel zusieht, eine Fahrradfahrt mit dem Sohn oder touristische Impressionen aus New York bilden ebenso wie bekannte Gemälde oder Gedichte die Ausgangspunkte für eine Transformation des Gewohnten in etwas unaufgeregt Staunenswertes. So werden selbst Gefühle wie Trauer, Melancholie und Überdruss in einen reinigenden Prozess der Transformation geführt. »Eine tänzerische, gleichzeitig still-konzentrierte Form, Weitungen und Gefährdungen des Humanen in pathosferne Worte zu setzen«, attestierte die »Neue Zürcher Zeitung« dem Autor, der mit einer »sanften Beiläufigkeit des Profanen« über die Untrennbarkeit von Leben und Tod reflektiere.

Vörös wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Tibor-Déry-Preis, dem Vilenica-Preis, dem Attila-József-Preis und dem Hubert-Burda-Preis. Auf Ungarisch erschienen zuletzt seine Gedichtbände »Heidegger, a postahivatalnok« (2003; Ü: Heidegger, der Postbeamte), die Gedichte für Kinder »A hajnali tolvaj« (2004; Ü: Der Dieb im Morgengrauen) und »Gregorián az erdön« (2005; Ü: Gregorián im Wald). Der Autor lebt in Budapest und ist derzeit Stipendiat des DAAD in Berlin.

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

DER  WIRKLICHE  RAUM

Der Raum des Schreibens ist nicht das Arbeitszimmer.
Das Schreiben ist nicht Arbeit.
Auf meinem Schreibtisch, außer dem Bildschirm eines Computers
sind Bücher, ein Mauspad mit dem Motiv einer bestickten Thora-Decke,
Matthäus, der Evangelist auf einer Ansichtskarte,
über ihm ein Engel, der die Hand auf des Evangelisten Schulter legt
und ihn beobachtet, beim Schreiben.

Gedichte kann ich im Zug schreiben und im Hotelzimmer, auf dem Knie
auf einer Bank sitzend, und ich habe auch schon auf ein großes Ahornblatt geschrieben,
sowie während einer Konferenz, und auch beim Examen.
Ich habe im Kopf geschrieben, und hinein in den Computer
Der Ort des Schreibens bin ich, ihn trenne ich
von der Außenwelt, und zwar wasserdicht,
so wie Noah seine Arche von der Sintflut.

Doch vermutlich schrieb Noah in der Arche nicht,
und die Tiere schrieben auch nicht, vermutlich.
Der Raum des Schreibens ist kein Gleichnis,
sondern ein wirklicher Raum.

[Aus dem Ungarischen von László Kornitzer]