Henri Lopes  [ Frankreich, Kongo ]

Biographie

Henri Lopes Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

Blutiger Ball
Pahl-Rugenstein
Köln, 1987
[Ü: Thorgerd Schücker]

Le Chercheur d'Afriques
Editions du Seuil
Paris, 1990

Revolution ohne tam-tam
Volk und Welt
Berlin, 1992

Sur l’autre rive,
Editions du Seuil
Paris, 1992

Der Geruch deiner Haut
Volk und Welt
Berlin, 1994
[Ü: Heidi Brang]

Tribaliques
Pocket
Paris, 1995

Le Lys et le Flamboyant
Editions du Seuil
Paris, 1997

Dossier classé,
Editions du Seuil
Paris, 2002

Ma grand-mère bantoue et mes ancêtres les Gaulois
Gallimard
Paris, 2003

Henri Lopes wurde 1937 als Sohn von Mestizen in Léopoldville (heute Kinshasa) im Kolonialstaat Kongo geboren und wuchs in Brazzaville auf. Mit elf Jahren wurde er zur Ausbildung nach Frankreich geschickt. Nach dem Abitur in Nantes studierte er an der Sorbonne Literaturwissenschaft und Geschichte, als 1960 sein Heimatland die vollständige Unabhängigkeit erlangte. 1965 kehrte er zurück und arbeitete zunächst als Geschichtslehrer an der Ecole Normale Supérieure d'Afrique Centrale in Brazzaville, bevor er eine Karriere als Politiker begann. Gründungsmitglied der sozialistischen Arbeiterpartei des Landes, bekleidete er verschiedene Ministerposten, nachdem Kongo 1969 eine Volksrepublik geworden war, und fungierte von 1973 bis 1976 als Ministerpräsident. Anfang der achtziger Jahre ging er erneut in die französische Hauptstadt, wo er in hohen Funktionen, u.a. als stellvertretender Generaldirektor, für die UNESCO tätig war. Seit 1998 vertritt er die Republik Kongo als Botschafter in Frankreich. In seinem ersten Werk »Tribaliques« (1971; Ü: Stammesgeschichten) entwirft Lopes in acht Kurzgeschichten ein Kaleidoskop der kongolesischen Gesellschaft der sechziger Jahre, mit dem er sich vom Einheitlichkeitsdogma der herrschenden Négritude-Bewegung absetzt. Die Beschreibung ethnischer Gegensätze, sozialer Widersprüche und kultureller Unterschiedlichkeit geht mit einer Suche nach nationaler und persönlicher Identität einher, die prägend für Lopes' gesamtes Werk ist. Nachdem Lopes sich freiwillig aus der Regierung zurückgezogen hatte, analysierte er die Entwicklung seines Landes nach der Unabhängigkeit in dem Briefroman »Sans tam-tam« (1977; dt. »Die strafversetzte Revolution«, 1977; später unter dem Titel: »Revolution ohne tam-tam«, 1982), in dem er sich von der ästhetischen Maxime des sozialistischen Realismus abkehrte. Mit »Le Pleurer-rire« (1982; dt. »Blutiger Ball«, 1984), inzwischen ein Klassiker, der anhand einer fiktiven afrikanischen Diktatur die Mechanismen der Macht thematisiert, wandte er sich endgültig der offenen Form von Collage und Fragment zu und kombinierte verschiedene Stilebenen und Textsorten wie Brief, Dokument und Zeitungsmeldung mit mehreren Erzählerperspektiven. Lopes' letzte Romane, die formal mit Borges und Pessoa verglichen wurden, gehen zunehmend selbstbewusst mit afrikanischer und persönlicher Heterogenität um und feiern das Spiel mit verschiedenen Identitäten. »Le Lys et le Flamboyant« (1997; Ü: Die Lilie und der Flammenbaum) erzählt von der Identitätssuche einer kongolesischen Mestizin, die sich von einer Hausfrau zu einer Diva und weiter zu einer engagierten Freiheitskämpferin entwickelt. Lopes' letzter Essay »Ma grand-mère bantoue et mes ancêtres les Gaulois« (2003; Ü: Meine Bantugroßmutter und meine Vorfahren, die Gallier) ist eine Sammlung kurzer Reflexionen, in denen der Autor bisweilen sogar vor dem Kult der ursprünglichen Identität warnt. Lopes wurde zwei Mal mit dem Grand Prix de la littérature d’Afrique noire ausgezeichnet. Für sein Gesamtwerk erhielt er den Grand Prix de la francophonie de l’Académie française. Er ist Mitglied mehrerer Orden, Ehrendoktor der Universität Paris XIII sowie leitendes Mitglied der Kulturinstitution Francophonie, des Festivals francofffonies, sowie Mitglied im Conseil Supérieur de la Langue française.

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