Gao Xingjian  [ China, Frankreich ]

Biographie

Gao Xingjian Portrait
© Céline Yang

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

Die Busstation
Brockmeyer
Bochum, 1988
[Ü: Chang Hsien-Chen, Wolfgang Kubin]

Die Flucht
Brockmeyer
Bochum, 1992
[Ü: Helmut Forster-Latsch, Marie-Luise Latsch]

Nächtliche Wanderung Edition Mnemosyne Neckargemünd, 2000 [Ü: Martin Gieselmann]
Der Berg der Seele
Fischer
Frankfurt/Main, 2001
[Ü: Helmut Forster-Latsch, Marie-Luise Latsch, Gisela Schneckmann]

Auf dem Meer
Fischer
Frankfurt/Main, 2001
[Ü: Natascha Vittinghoff]

Was hat uns das Exil gebracht
[mit Yang Lian]
DAAD
Berlin, 2001
[Ü: Peter Hoffmann]

Das Buch eines einsamen Menschen
Fischer
Frankfurt/Main, 2004
[Ü: Natascha Vittinghoff]

Gao Xingjian wurde 1940 in Ganzhou in Ostchina geboren. Die Mutter, eine Amateurschauspielerin, weckte frühzeitig sein Interesse für die chinesische und abendländische Literatur und das Theater. Gao absolvierte eine Ausbildung in französischer Sprache am Institut für Fremdsprachen in Peking. Während Maos Kulturrevolution (1966-1976) wurde der junge Schriftsteller mehrere Jahre in ein Umerziehungslager und aufs Land verschleppt. Nach seiner Rehabilitation arbeitete Gao als Bühnenautor am Pekinger Volkskunsttheater. Er übersetzte Werke von Ionesco und Prévert ins Chinesische und publizierte zahlreiche Dramen, Erzählungen, Essays, Romane und literaturtheoretische Arbeiten. Als Stipendiat des DAAD verbrachte Gao 1986 sechs Monate in Berlin. Unter dem stetigen Druck der chinesischen Zensurbehörden entschied sich der Autor ein Jahr später nach Frankreich ins Exil zu gehen. Nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 erklärte Gao seinen Austritt aus der Partei. Die Veröffentlichung seines Dramas „Die Flucht“, das vor dem Hintergrund eben dieser Ereignisse spielt, führte schließlich zum endgültigen Verbot all seiner Werke in China. Im Jahr 2000 erhielt Gao Xingjian den Literaturnobelpreis. Der erste chinesische Nobelpreisträger wird aufgrund seines Zerwürfnisses mit der Regierung in der Öffentlichkeit seines Herkunftslandes bis heute totgeschwiegen. In seinem dramatischen Werk erarbeitete Gao in Auseinandersetzung mit Brecht neue Formen für das chinesische Theater. Das absurde Drama „Die Busstation“, das oft mit Becketts „Warten auf Godot“ verglichen wird, bedeutete 1983 seinen literarischen Durchbruch und veranlasste zugleich die Kulturbehörden unter dem Vorwurf des „Modernismus“ und der „geistigen Verunreinigung“ zu verstärktem politischen Druck auf den Autor. Nachdem sich eine Krebsdiagnose als falsch herausgestellt hatte, und um weiteren politischen Repressionen zu entgehen, unternahm der Schriftsteller 1983 eine zehnmonatige Wanderung durch die Wald- und Bergregionen der Provinz Sichuan. Ihre literarische Umsetzung findet die Reise im Roman „Der Berg der Seele“, in dem Gao in 81 Episoden Legenden, Erinnerungen, Annalen und tagebuchartige Aufzeichnungen zu einem vielschichtigen Bild Chinas aneinanderreiht. Die Erzählperspektive wechselt dabei vom „ich“ zum „du“ und zum auktorialen „er“ und „sie“, einzig das „wir“ als der Parteiideologie bequeme kollektive Form vermeidet der Autor. Für Gao selbst bedeutet der Roman „die Suche nach einer Sprache, mit der sich das Individuum völlig frei ausdrücken kann“. Zu Gaos epischem Hauptwerk gehört weiterhin der autobiografische Roman „Das Buch eines einsamen Menschen“, in dem er sich retrospektivisch mit der eigenen Opfer- als auch Täterrolle in den Jahren der Kulturrevolution auseinandersetzt. Damit wird der Autor der sogenannten „skeptischen Generation“ chinesischer Gegenwartsliteratur zugerechnet. Gao, der 1998 die französische Staatsbürgerschaft erwarb, versteht sich selbst als Weltbürger und ist vielleicht das perfekte Beispiel eines postmodernen Nomaden, der auf Chinesisch als auch auf Französisch schreibt, mit verschiedenen Kulturen gleichermaßen vertraut ist und in dessen Person und Werk sich dennoch weit mehr ausdrückt als einfach die Summe der einzelnen Einflüsse und Kulturtraditionen. Der Schriftsteller und Tuschemaler lebt und arbeitet in Paris.

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