Daniel Maximin  [ Frankreich ]

Biographie

Daniel Maximin Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2006.

Bibliographie

Soufrières
Ed. du Seuil
Paris, 1995

L’Ile et une nuit
Ed. du Seuil
Paris, 1995

L’Invention des désirades
Présence Africaine
Paris, 2000

Tu, c’est l’enfance
Gallimard
Paris, 2004

Sonnenschwarz
Rotpunktverlag
Zürich, 2004
[Ü: Klaus Laabs]

Les Fruits du cyclone
Ed. du Seuil
Paris, 2006

Daniel Maximin wurde 1947 in Saint-Claude auf Guadeloupe geboren. 1960 zog seine Familie nach Frankreich, wo er an der Pariser Sorbonne Literaturwissenschaft und Anthropologie studierte. Er lehrte als Professor der Literaturwissenschaften am Centre culturel d'Orly, arbeitete 1980 bis 1989 als Programmleiter des Verlages Présence Africaine und produzierte ein TV-Kulturmagazin. Anschließend war er acht Jahre lang als höchster Kulturfunktionär in Guadeloupe tätig. Nach seiner Rückkehr in die französische Hauptstadt wurde er 1998 mit der Vorbereitung zu den Feierlichkeiten um den 150. Jahrestag der französischen Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1848 beauftragt. Er ist seit dem Jahr 2000 Kulturbeauftragter beim Bildungsministerium und leitet derzeit die Literatur- und Bildungsabteilung des Literaturfestivals »francofffonies!« (2006).
Maximins literarisches Werk – darunter Romane, Gedichte und Essays – zeichnet sich durch lyrische Expressivität und den Einfluss karibischer Musik und Rhythmen aus. Sein erster Roman, die Familiensaga »L’Isolé soleil« (1981; dt. »Sonne mutterseelenallein«, 1990; »Sonnenschwarz«, 2004), beleuchtet zweihundert Jahre der Kolonialgeschichte Guadeloupes. Rahmenhandlung ist ein Briefwechsel, in dem die junge Protagonistin von ihrer Familie erzählt und dabei bis in die Zeit der Französischen Revolution zurückgeht, als die Antillen für kurze Zeit die Unabhängigkeit erlangten. In verschiedenen Genres – darunter auktoriale Erzählung, Rede, Vers, Tagebucheintrag, Brief, Bericht – schildert Maximin die Geschichte der Familie sowie der Inselgruppe bis hinein in die Gegenwart. Dabei widmet er den verschiedenen Formen des Widerstandes in Musik, Kunst und Kultur besondere Bedeutung und würdigt die von Aimé Césaire begründete Bewegung der »Négritude«. Mit »Soufrières« (1987; Ü: Schwefelgruben) und »L’Ile et une nuit« (1995; Ü: Die Insel und eine Nacht) erweiterte Maximin seinen Debütroman zu einer Trilogie.

Die etwa fünfzig Gedichte des Bandes »L’Invention des désirades« (2000; Ü: Die Erfindung der Wünsche) wurden von einem französischen Kritiker als »Hymnen an den Widerstand« bezeichnet. Nach seinem autobiografischen Roman »Tu, c’est l’enfance« (2004; Ü: Du, das ist die Kindheit) veröffentlichte Maximin zuletzt den Essay »Les Fruits du cyclone« (2006; Ü: Die Früchte des Wirbelsturms), eine »Geopoetik der Karibik«, mit der er erneut den karibischen Schmelztiegel feiert. »Vier Jahrhunderte nach der Sintflut, aus der die Karibik hervorging, verkündet sie mit der Stimme ihrer Erzähler und Tänzer, Bauern und Architekten, Musiker und Dichter: Wir nehmen Erniedrigungen hin, um daraus für uns und für die ganze Welt Diamanten zu machen.«

Der Autor wurde mit dem Prix Maurice Genevoix der Académie française und dem Prix Tropiques ausgezeichnet. Er ist Chevalier de la Légion d'Honneur und Chevalier des Arts et Lettres. Maximin lebt in Paris.

© internationales literaturfestival berlin