Adriana Lunardi  [ Brasilien ]

Biographie

Adriana Lunardi Portrait
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Gast des ilb 2006.

Bibliographie

As meninas da Torre
Helsinque
Mercado Aberto
Prefeitura de Porto Alegre, 1996

Vésperas
Rocco
Rio de Janeiro, 2002

Adriana Lunardi wurde 1964 in Xaxin im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina geboren. Sie studierte Kommunikationswissenschaften und war als Journalistin und in der Werbebranche tätig. Zurzeit arbeitet sie als Verfasserin von Texten und Drehbüchern für das brasilianische Fernsehen und ist u.a. Autorin der Dokumentarserie »Expedições«, die über kulturelle, soziale und ökologische Themen berichtet.

Ihre literarische Karriere begann Lunardi mit dem vielbeachteten Erzählband »As meninas da Torre Helsinque« (1996; Ü: Die Mädchen des Helsinki-Turms). Die mit zwei brasilianischen Literaturpreisen ausgezeichnete Novellensammlung thematisiert Liebe und Sexualität im Leben jugendlicher Mädchen. Lunardis Geschichten, die sich durch ihre kurze Form der Darstellung und große Empathie auszeichnen, wurden auch in Anthologien aufgenommen, darunter »O Livro das Mulheres« (2001; Ü: Das Buch der Frauen), »Pata maldita« (2001; Ü: Das verfluchte Bein), »25 mulheres que estão fazendo a nova literatura brasileira« (2004; Ü: 25 Frauen der neuen Brasilianischen Literatur) und »Contos sobre tela« (2005; Ü: Geschichten auf Leinwand). Ihr neuestes Werk »Vésperas« (2002; Ü: Vorabende) wurde ins Französische, Kroatische sowie ins Spanische übersetzt und erschien 2006 auch in Portugal. Es ist eine Sammlung von neun Kurzgeschichten, die die Todesumstände der Schriftstellerinnen Dorothy Parker, Virginia Woolf, Clarice Lispector, Colette, Katherine Mansfield, Sylvia Plath, Zelda Fitzgerald, Ana Cristina César und Julia da Costa beschreiben. Trotz der Schwere des Themas und obwohl einige der Dargestellten freiwillig aus dem Leben schieden, sind die Momente des Todes mit Leichtigkeit und ohne jedes Pathos geschildert. Für Lunardis Virginia Woolf zum Beispiel, die von den Stimmen ungeschriebener Texte verfolgt wird, bedeutet der Gang zum Fluss eine Befreiung. Dorothy Parkers einsamer Tod wird aus der eingeschränkten Perspektive ihres Hundes beschrieben. Ohne den Stil der Autorinnen nachzuahmen, gelingt es Lunardi, in der Schilderung letzter Gedanken und Gesten eine Verbindung zu deren Werk herzustellen, indem sie die literarische Gestaltung über biografisch Verbürgtes hinausführt. So schafft sie eine einfühlsame und phantasievolle Hommage an den weiblichen Beitrag zur Weltliteratur.

Lunardi erhielt das Schriftstellerstipendium der brasilianischen Nationalbibliothek. Sie wurde mit dem Prêmio Fumproarte und dem Prêmio Açorianos in den Sparten »Neuentdeckungen« und »beste Erzählungen« ausgezeichnet. Die Autorin lebt in Rio de Janeiro und arbeitet an einem Roman.

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Adriana Lunardi
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