Namita Gokhale  [ Indien ]

Biographie

Namita Gokhale Portrait
©Harmit Singh

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

Mountain Echoes
Roli
New Delhi, 1998

Paro: Dreams of Passion
Penguin
New Delhi, 1999

Gods, Graves and Grandmother
Penguin
New Delhi, London, 2001

The Book of Shadows
Penguin
New Delhi, London, 2001

The Book of Shiva
Penguin
New Delhi, London, 2001

A Himalayan Love Story
Penguin
New Delhi, London, 2002

Shakuntala: The Play of Memory
Penguin
New Delhi, London, 2005

Übersetzer: Rainer G. Schmidt

Namita Gokhale (geb. Pant) wurde 1956 im indischen Lucknow geboren und verbrachte ihre Kindheit in Neu-Delhi und Nainital an den Ausläufern des Himalayas. Mit ihrem Mann Rajiv Gokhale, den sie als Achtzehnjährige geheiratet hatte, gab sie in den späten siebziger Jahren das Filmmagazin »Super« in Bombay heraus. 1984 veröffentlichte Gokhale ihren Debütroman »Paro: Dreams of Passion« (1984; Ü: Paro. Träume der Leidenschaft). Die Satire auf die Oberschicht Neu-Delhis und Mumbais erhielt große Anerkennung und erregte durch die unkaschierte Darstellung von Sexualität Aufsehen. Während Gokhale an ihrem zweiten Buch »Gods, Graves and Grandmother« (1994; Ü: Götter, Gräber und Großmutter) arbeitete, erkrankte sie schwer. Wenig später starb ihr Ehemann.

Die Erfahrung von Liebe und Leidenschaft, Krankheit und Tod sind prägend in Gokhales Werk. Schreiben bedeutet für die Autorin nicht nur therapeutische Arbeit, sondern auch die generelle Erweiterung von Grenzen der Erfahrung: »Jedes ernsthafte Buch, das geschrieben wird, beinhaltet zu einem gewissen Grad etwas Übernatürliches. Denn das Ziel des Autors ist es, eine Perspektive, die über die eigenen Beschränkungen hinaussieht, nutzbar zu machen und das Feld der Erfahrung des Lesers zu erweitern.« Ihr Roman »The Book of Shadows« (1999; Ü: Das Buch der Schatten) erzählt von einer jungen Dozentin, deren Verlobter sich umgebracht hat. Sie wird dafür von seiner Schwester verantwortlich gemacht und von ihr durch ein Säureattentat entstellt. In einem abgelegenen Landhaus lernt sie, mit ihrem Schmerz umzugehen, indem sich vor ihrem inneren Auge die gewaltsamen Schicksale der vormaligen Bewohner abspielen. Das groteske und lebhaft geschilderte Werk wurde von Kritikern mit Isabel Allendes »Geisterhaus« verglichen.

Gokhales letzter Roman, »Shakuntala. The Play of Memory« (2005; Ü: Shakuntala. Das Spiel des Gedächnisses), erschien zunächst in der Übersetzung auf Hindi, bevor die englische Originalfassung veröffentlicht wurde. Die Handlung ist von dem mehr als tausend Jahre alten, in Sanskrit verfassten Schauspiel »Shakuntala« des indischen Poeten Kalidasa inspiriert. Erzählt wird von einer jungen Frau, die von einem blinden Priester in das Geheimnis ihres früheren Lebens eingeweiht wird und sich nun damit auseinandersetzen muss. Das Spiel mit den zentralen Themen Erinnerung und Begehren kennzeichnet dieses Werk, das vielfach mit Hermann Hesses »Siddhartha« verglichen wurde. Erneut verknüpft Gokhale in ihrem Werk die tragische Lebensgeschichte einer Frau mit Religion, Landesgeschichte und Philosophie.

Die Autorin verfasste auch zwei essayistische Studien. »The Book of Shiva« (2001; Ü: Das Buch Shivas) ist eine kenntnisreiche und leidenschaftliche Untersuchung des hinduistischen Gottes des Todes und der Erneuerung. »Mountain Echoes« (1998; Ü: Echos der Berge) enthält mündlich überlieferte biografische Porträts von älteren Frauen aus der Region Kumaon im Himalaya. Zu Gokhales weiteren Romanen zählen »A Himalayan Love Story« (1996; Ü: Eine Liebesgeschichte vom Himalaya), eine spannende Erzählung über Liebe und Schicksal. Gokhale war auch als Herausgeberin und Literaturkritikerin für bedeutende indische Zeitungen tätig. Sie lebt in Neu-Delhi und der Seenregion von Kumaon im Himalaya. Zurzeit arbeitet sie an einer Familiensaga; der Roman »Things to Leave Behind« (Ü: Was man nicht mitnimmt) thematisiert Kontinuität und Wandel auf dem indischen Subkontinent.

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

I have sent my attached comments, on the back
of an envelope, where I seem to often write.
    Where is my private writing space?
    In the urgency of passing time.
    In the sounds of rain on a tin roof in my hometown
    in the mountains.
    In airports, railway stations, in beauty parlours
    with ammonia in my greying hair.
Stray thoughts in a moving car, scribbled on the
back of a crumpled envelope, indecipherable but alive.
I write to hear myself think. To be heard is really
of no consequence.