Nabil Naoum  [ Ägypten ]

Biographie

Nabil Naoum Portrait
© Richard Caillot

Gast des ilb 2004.

Bibliographie

Le Caire est petit
Centre de traduction franco-égyptien
Paris, 1985
Übersetzung: Ghislaine Alleaume, Luc Barbulesco, Philippe Cardinal

Retour au temple
Actes Sud
Arles, 1991
Übersetzung: Richard Jacquemond

Le rêve de l’esclave
Actes Sud
Paris, 1994
Übersetzung: Jean Tardy, Anne Wade Minkowski

Corps premier
Actes Sud
Paris, 1998
Übersetzung: Luc Barbulesco

Jasad Awal
Dar al hilal
Kairo, 1998

Hafat el wed
Kossour al-Thakafa
Kairo, 2000

Textes sur images: art contemporain arabe
ACR, Institut du monde arabe
Paris, 2000
Übersetzung: Luc Barbulesco

Les rivages de l’amour
Actes Sud
Paris, 2003
Übersetzung: Luc Barbulesco

Moi, Toutankhamon, reine d'Egypte
Actes Sud, Sindbad
Arles, Paris, 2005
Übersetzung: Luc Barbulesco

Nabil Naoum wurde 1944 in Kairo, Ägypten, geboren. Er studierte Ingenieurswesen in Kairo. Nach dem Studium ging er in die USA, wo er zehn Jahre lang als Ingenieur in New York lebte und arbeitete. Während dieser Zeit verfasste er seine ersten Kurzgeschichten, von denen einige in ägyptischen Literaturmagazinen veröffentlicht wurden. In Ägypten erschien 1977 auch sein erster Roman „Al-bâb“ (Ü: Die Tür). 1979 kehrte er nach Kairo zurück, wo er eine Galerie für Moderne Kunst eröffnete und sich verstärkt dem Schreiben zuwandte. In den achtziger Jahren veröffentlichte er eine Reihe von Erzählbänden, darunter beispielsweise den französisch-arabischen Band „Le Caire est petit“ (1985; Ü: Kairo ist klein). In englischer Übersetzung erschien eine Sammlung von zwanzig Kurzgeschichten unter dem Titel „The Slave’s Dream and Other Stories“ (1991). Nabil Naoum erzählt mit subtiler Ironie und kühler Distanz. Er verzichtet auf detaillierte Beschreibungen von Landschaften, Orten und Bräuchen. So bleibt das Geschehen, selbst wenn Ägypten genannt wird, nur vage lokalisierbar. Stattdessen entfalten sich seine Texte weitgehend losgelöst von realen Anhaltspunkten in ihrem eigenen Raum und ihrer eigenen Zeit. Auch die Figuren werden in ihren Konturen nur grob skizziert. Erst im Verlauf einer Geschichte treten sie etwas deutlicher in ihren Eigenarten hervor. Dennoch erfährt der Leser wenig über ihre Gefühls- und Gedankenwelten. Die meisten Erzählungen konstituieren sich durch einen linearen Narrationsfluß. Ohne die moralische Wertung einer höheren Instanz kommt es zu überraschenden Wendungen, die unversehens Räume für das Beklemmende und Grausame öffnen. In dem Roman „Jasad Awal“ (1998) hat der Architekt und Schriftsteller Fouad nach seiner Rückkehr aus dem Ausland seine Familie, insbesondere die älteren Verwandten, in einer Wohn- und Lebensgemeinschaft wieder vereint. Dadurch mit Verlust, Alter und Tod konfrontiert, sucht er nach der Verbindung zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt. Die Protagonisten des jüngsten Romans „Hafat el wed“ (2000) sind getrieben von ihrer Sehnsucht nach Liebe. Sie verstricken sich in ein Netz aus Verführung, Macht und unerfülltem Verlangen. Neben Prosa publizierte Nabil Naoum mehrere Essays zur zeitgenössischen arabischen Kunst und Fotografie. Seit 2000 ist er Mitglied des Auswahlkomitees für die Biennale des Arabischen Films am Institut du Monde Arabe in Paris. Nabil Naoum lebt seit 1993 abwechselnd in Kairo und in Paris.

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