Marie-Luise Scherer  [ Deutschland ]

Biographie

Marie-Luise Scherer Portrait
© Gerd Vennemann

Gast des ilb 2004.

Bibliographie

Auf deutsch gesagt: gestrauchelt
Ministerium für Arbeit, Gesundheit u. Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen
Düsseldorf, 1980

Ungeheurer Alltag
Rowohlt
Reinbek, 1990

Der Akkordeonspieler
Eichborn
Frankfurt/Main, 2004

Marie-Luise Scherer wurde 1938 in Saarbrücken, Deutschland, geboren. Von 1974 bis 1998 war sie Autorin des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, für den sie akribisch recherchierte und sprachlich brillante Reportagen schrieb; Texte, die nicht nur herausragende Dokumentationen, sondern auch Glanzstücke des literarischen Journalismus sind. Marie-Luise Scherer wurde zweimal mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet: 1978 für ihre Reportage „Der Zustand, eine hilflose Person zu sein“, 1980 für das Heroindrama in einer Familie „Auf deutsch gesagt: gestrauchelt“. Die Menschen und ihre Schicksale sind mit einem „kaltnadeligen“ Blick erfaßt, der dennoch der Anteilnahme verpflichtet bleibt. Dabei sind beeindruckend klare, teils erschreckende Panoramen entstanden. Eine Auswahl ihrer Texte wurde 1988 unter dem Titel „Ungeheurer Alltag“ erstmals als Buch veröffentlicht. Darin enthalten ist „Der unheimliche Ort Berlin“, den sie als „poetische Kommissarin“ (Hubert Winkels in „Die Zeit“) betritt. Immer ist ihr „Interesse auf extreme Rituale im alltäglichen Miteinander gerichtet, die letztlich erst extrem werden, wenn Scherers ‚schreckliche Wahrnehmungsfähigkeit’ ... sie streift.“, so Angelika Overath in der „Neuen Zürcher Zeitung“. Für Gustav Seibt ist Scherers Buch „Der Akkordeonspieler“, 2004 in Hans Magnus Enzensbergers „Die Andere Bibliothek“ erschienen, „bedeutende Literatur“. In ‚gleichschwebender Aufmerksamkeit’ wählt sie ihre Sujets: der Massenmörder in „Die Bestie von Paris“, das Leid der Kreatur an der deutsch-deutschen „Hundegrenze“ sind von gleichem Interesse wie die mondänen Milieus der Film- und Modewelt. Seibts Resümee: „Marie-Luise Scherer kann alles“. Friedmar Apel sieht sie als „Physiognomikerin der Dingwelt ... in der Tradition Walter Benjamins“. Arno Widmann nannte sie „eine Meisterin der widerstrebenden Tendenzen“, der es gelungen sei „mit nüchternster Realität vollgestopfte Sätze klingen zu lassen, als stünden sie in einem Märchen“. 1994 erhielt Marie-Luise Scherer den Ludwig-Börne-Preis als Würdigung ihrer hervorragenden Leistungen im Bereich Reportage. Die Autorin lebt in Damnatz an der Elbe.

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