Viktorija Tokarjewa  [ Russland ]

Biographie

Gast des ilb 2003.

Bibliographie

O tom, tschego ne bylo 
Molodaja Gvardija 
Moskva, 1969 
 
Kogda stalo nemnoschko teplee 
Sovetskaja Rossija 
Moskva, 1972 
 
Letajuschèie katscheli 
Sovetskij Pisatel 
Moskva, 1987 
 
Und raus bist du 
Ammann Verlag 
Zürich, 1987 
Übersetzung: Elsbeth Wolffheim 
 
Zickzack der Liebe 
Diogenes 
Zürich, 1990 
Übersetzung: Monika Tantzscher 
 
Mara 
Diogenes 
Zürich, 1993 
Übersetzung: Angelika Schneider 
 
Happy-End 
Diogenes 
Zürich, 1994 
Übersetzung: Angelika Schneider u. a. 
 
Korrida 
Vagrius 
Moska, 1994 
 
Lebenskünstler und andere Erzählungen 
Diogenes 
Zürich, 1994 
Übersetzung: Ingrid Gloede 
 
Den bes vranja 
SP Kvadrat 
Moskva, 1995 
 
Die Diva 
Diogenes 
Zürich, 1995 
Übersetzung: Angelika Schneider 
 
Na tscherta nam tschuschie 
Lokid 
Moskva, 1995 
 
Povesti i rasskazy 
Lokid 
Moskva, 1995 
 
Sag ich’s oder sag ich’s nicht? 
Diogenes 
Zürich, 1995 
Übersetzung: Angelika Schneider 
 
Schla sobaka po rojalju 
Lokid 
Moskva, 1995 
 
Loschadi s kryljami 
Lokid 
Moskva, 1996

Rimskie Kanikuly
Lokid

Moskva, 1996 
 
Sentimentale Reise 
Diogenes 
Zürich, 1997 
Übersetzung: Angelika Schneider 
 
Skaschi mne tschto-nibud 
Eksmo 
Moskva, 1997 
 
Moschno i nelzja 
Eksmo 
Moskva, 1998 
 
Der Pianist
Diogenes 
Zürich, 2002 
Übersetzung: Angelika Schneider 
 
Strelec 
AST 
Moskva, 2002 
 
Eine Liebe fürs ganze Leben 
Diogenes 
Zürich, 2003 
Übersetzung: Angelika Schneider 
 
Kazino 
AST 
Moskva, 2003 
 
Pervaja popytka 
AST 
Moskva, 2003 
 
Lampenfieber 
Diogenes 
Zürich, 2003 
Übersetzung: Angelika Schneider 
 
Rozovye rozy 
AST 
Moskva, 2003 
 
Gladkoe litschiko 
AST 
Moskva, 2004 
 
Perelom 
AST 
Moskva, 2004 

Glücksvogel
Diogenes 
Zürich, 2005 
Übersetzung: Angelika Schneider

Übersetzer: Angelika Schneider, Monika Tantzscher

Viktorija Tokarjewa wurde 1937 in Leningrad geboren. Mit 18 diplomierte sie an der Leningrader Musikhochschule als Pianistin. Nach ihrer Hochzeit mit einem Physiker zog sie nach Moskau um, wo sie drei Jahre als Klavierlehrerin arbeitete. Sie begann früh zu schreiben. Daher immatrikulierte sie sich, um einem Leben als Klavierlehrerin zu entkommen, schließlich an der Moskauer Filmhochschule im Drehbuchfach, die sie 1968 mit einem Diplom abschloss. Kanpp zwanzig ihrer Drehbücher wurden bislang verfilmt. Viktoria Tokarjewa erhielt für ihre Drehbücher zweimal den Ersten Preis beim Internationalen Moskauer Filmfestival sowie 1981 den Ersten Preis beim Internationalen Dokumentarfilmfestival.

1964 – kurz vor dem Rücktritt Chruschtschows und damit dem Ende der Tauwetterperiode – veröffentlichte sie in der Zeitschrift „Molodaja gvardija“ ihre erste Erzählung „Den‘ bez vranja“ (Ü: Ein Tag ohne Lüge), mit der ihr sogleich der Durchbruch gelang. Von der sowjetischen Zensur blieb sie weitgehend verschont, obwohl ihre Erzählungen, die meist um das Thema Liebe kreisen, auf dem Anspruch nach Privatem, Intimem beharren. Schon vor der Perestrojka wurden zahlreiche ihrer Erzählungen publiziert; sie ist in Russland außerordentlich populär und findet auch in Deutschland großen Anklang: Die Mehrzahl ihrer Erzählbände wurden bereits übersetzt, ebenso wie ihr bislang erster Roman „Ptica Scastija“ (dt. „Glücksvogel“, 2005).

Den Schauplatz von Tokarjewas Erzählungen bildet die russische Großstadt. Die Menschen dort, die ihr Leben im Alltäglichen fristen, träumen gelegentlich den Traum von wahrer Liebe, großen Gefühlen und einem sinnerfüllten Leben, haben Angst vor der Einsamkeit oder sie gieren nach Leben. Da gibt es das Mädchen, das den Klavierlehrer liebt, aber nie ein Wort zu sagen wagt („Raraka“), den Starpianisten in der Midlife-Crisis („Ne sotvori“, dt. „Die Diva“) und die männerverschlingende neue Russin, die sich dann doch einmal verliebt („Pervaja popytka“, dt. „Mara“). Meist werden die Figuren am Ende ihrer Illusionen beraubt, gewinnen aber ein kleines Stück Weisheit und manchmal auch so etwas wie Zufriedenheit.

Tokarjewas Erzählungen ist die filmische Ausbildung der Autorin anzumerken: In schlichter, schnörkelloser Sprache werden Bilder aneinandergereiht und mit wenigen Strichen die Szenen skizziert. Die Figuren gewinnen ihren Charakter durch ihre Gesten, durch kleine, alltägliche Handlungen. Wie ihr Vorbild Tschechow beobachtet sie zugleich mit großer Sensibilität und kühler Distanz. Sie schreibt eine „russische Soziologie en miniature“, meist melancholisch, aber stets mit lakonischem Humor.

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