Ryszard Krynicki  [ Polen ]

Biographie

Ryszard Krynicki Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2003.

Bibliographie

Akt urodzenia
Wydawnictwo PoznaŸskie
Poznan, 1969

Nasze Ÿycie roŸnie
Instytut Literacki
Paris, 1978

Niepodlegli nicoŸci
NiezaleŸna Oficyna Wydawnicza
Warschau, 1988

Um niemanden zu verletzen
Tiessen
Neu-Isenburg, 1991
Übersetzung: Karl Dedecius

Wunde der Wahrheit
Suhrkamp
Frankfurt a. M., 1991
Übersetzung: Karl Dedecius

Magnetyczny punkt
CiS
Warschau, 1996

Stein aus der Neuen Welt
Rospo
Hamburg, 2000
Übersetzung: Esther Kinsky

Kamień, szron
Wydawnictwo a5
Krakau, 2004
Übersetzer: Karl Dedecius, Esther Kinsky

Ryszard Krynicki wurde 1943 in Sankt Valentin (Lager Wimberg) in Österreich als Kind polnischer Zwangarbeiter geboren. Nach seinem Studium der Polonistik an der Adam-Mickiewiecz-Universität in Posen arbeitete er als Bibliothekar und als Redakteur der Zeitschrift "Student", die er jedoch aufgrund seines Engagements in der Bürgerrechtsbewegung verlassen musste. Krynicki ist einer der bedeutendsten Dichter der als "Neue Welle" bekanntgewordenen Gruppe von Lyrikern, die sich in den späten sechziger Jahren in Opposition zur Ideologie und Sprache des herrschenden politischen Systems formiert hatte. Seine Aktivitäten in dieser Gruppe wie auch in der demokratischen Bewegung führten Ende der siebziger Jahre dazu, dass er mehrere Jahre mit einem Publikationsverbot belegt wurde. Der Lyriker hat viele Autoren aus dem Deutschen übersetzt, darunter Nelly Sachs, Paul Celan, Bertolt Brecht und Reiner Kunze, und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt 2000 mit dem Friedrich-Gundolf-Preis für die Vermittlung deutscher Kunst im Ausland.
Das Werk Ryszard Krynickis ist von einem auffälligen Bruch durchzogen. Die ersten Gedichte, die nach dem Debüt 1966 erschienen, zeichnen sich durch eine dichte Bildsprache und opulente Metaphorik aus, in der die Welt als schreckenerregendes Chaos erscheint.
Unsicherheit und Angst prägen die Figuren, die sich in dieser Welt bewegen, Flucht wird als Ausweg erprobt. Sowohl inhaltlich als auch auf sprachlicher Ebene vollzieht Krynicki damit die Abwendung von der ideologisierten Gesellschaft und der ihr oktroyierten, vereinheitlichten Sprache. Dabei mündet diese Kritik jedoch nicht in Nihilismus und Verzweiflung, sondern hält "die durch äußeren Zwang und innere Verödung beständig gefährdeten Gewissen wach und hofft, damit das gestörte, krank gemachte Selbstwertgefühl zu heilen" (Karl Dedecius). Die neueren Texte (etwa in "Wunde der Wahrheit", 1991) präsentieren sich dagegen sparsamer und lakonischer. Nur noch wenige Zeilen lang und in klarer Sprache formuliert, wirken sie im Vergleich zu den ersten Gedichten beinahe asketisch. Krynicki weist sich als unnachgiebiger Kritiker der Realität aus, als skeptischer Beobachter der Sprache und ihres poetischen wie politischen Potentials. "Flucht", so ein Kritiker zum Wandel in Krynickis Ton, "wurde ersetzt durch eine entschlossene spirituelle Pilgerreise." Selbst seine älteren Gedichte unterzieht Krynicki einer grundlegenden Überarbeitung, minimiert die einst üppige Sprache - und gibt damit der Vermutung Recht, dass ein Gedicht niemals fertig ist.
Krynicki lebt in Krakau, wo er zusammen mit seiner Frau den Verlag a5 leitet.

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