Olga Schamborant  [ Russland ]

Biographie

Olga Schamborant Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2003.

Bibliographie

Prisnaki Schisni

Puschkinski Fond

St. Petersburg, 1998

Srok godnosti

Puschkinski Fond

St. Petersburg, 2003

Übersetzer: Andreas Tretner

Olga Schamborant wurde 1945 in Moskau geboren. Seit dem Abschluss ihres Biologiestudiums an der Staatlichen Universität Moskau 1969 ist sie am Institut für Bioorganische Chemie (RAN) tätig.

Schon in frühester Jugend schrieb sie erste Gedichte, die ihr allerdings statt der Anerkennung der Familie lediglich milden Spott einbrachten. Die Autorin bemerkt im Rückblick auf diese Zeit, dass sie schon als Kind fasziniert der immergleichen Intonation der stalinistischen Rhetorik lauschte. In den darauf folgenden Jahren verfasste sie nur gelegentlich Texte, die sie jedoch nicht veröffentlichte, weil sie die Zensur fürchtete. Erst nach der Perestroika, Anfang der neunziger Jahre, begann sie kontinuierlich Prosagedichte und Essays zu schreiben, von denen erstmals 1992 einige in der „Niezavisimaja Gazeta“ publiziert wurden. Seitdem erscheinen ihre Texte regelmäßig in russischen Periodika wie „Nowoje Russkoje Slowo“, „Nowj Mir“, „Postskriptum“, „Itogi“ und „Rossija“. Neben ihrer eigenen literarischen Arbeiten schreibt sie regelmäßig Literaturkritiken. Zu ihren literarischen Gewährsleuten zählt sie Marina Zwetajewa, Joseph Brodsky, Vladimir Nabokov und Kurt Vonnegut. Ihre berufliche Erfahrung als Wissenschaftlerin findet sich in ihren Werken wieder – mit mikroskopischem Blick diagnostiziert sie den Alltag. Dabei gilt ihre Aufmerksamkeit nicht der Handlung, sondern vertieft sich in die Betrachtung des Lebens, das wie in einer experimentellen Anordnung abläuft. 1998 erschien ein Band mit ausgewählten Essays unter dem Titel „Priznaki Schisni“ (Ü: Anzeichen des Lebens) in Sankt Petersburg. Ihr zweites Buch mit dem Titel „Srok godnosti“ (Ü: Haltbarkeitsdauer) enthält Essays wie „Svidetelstvo o smerti“ (Ü: Todesbescheinigung) und „Tainstvo ili podljanka" (Ü: Der Tod als Mysterium und als Beschiss) – letzterer geschrieben anlässlich des Untergangs des russischen U-Boots „Kursk“ im August 2000 –, in denen die eingeschränkte Lernfähigkeit des postkommunistischen russischen Menschen in Bezug auf seine Sterblichkeit reflektiert wird.

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