Nikos Panajotopoulos  [ Griechenland ]

Biographie

Nikos Panajotopoulos Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2003.

Bibliographie

Die Erfindung des Zweifels
Reclam
Leipzig, 2002
Übersetzung: Ulf-Dieter Klemm

Heiligmacher
Reclam
Leipzig, 2005
Übersetzung: Birgit Hildebrand

Übersetzer: Ulf-Dieter Klemm

Der griechische Autor Nikos Panajotopoulos wurde 1963 in Athen geboren. Während seines Studiums der Ingenieurwissenschaften beschäftigte er sich auch mit dem Theater. Nach einer kurzen Phase als Kulturjournalist arbeitet er heute als Drehbuchautor für Fernseh- und Kinofilme und unterrichtet an einer Filmschule in seiner Heimatstadt. 1996 erhielt er beim Filmfestival von Thessaloniki den Drehbuchpreis für den Spielfilm „Apontes” („Die Abwesenden”). Seit 1997 hat er sich mit einem Erzählband und zwei Romanen auch als Prosaschriftsteller einen Namen gemacht.

Panajotopoulos, der vom amerikanischen Film und von amerikanischer Literatur geprägt ist, spekuliert in seinen Büchern über den Einfluss moderner Wissenschaft und Technologie auf unsere Kultur. Das Science-Fiction-Genre, in der griechischen Literatur bisher kaum beachtet, dient ihm dabei als Spielfeld zur Erörterung aktueller Gesellschaftsprobleme. Im Zeitalter der Globalisierung haben seine Helden fast keine ortsgebundene Identität mehr und gehören keiner bestimmten Nation an. Zentrales Thema seiner Geschichten ist die unüberbrückbare Spannung zwischen Innen- und Außenwelt der Figuren. Durch jäh eintretende, wissenschaftlich „messbare” Ereignisse, wie z. B. Krankheit und Tod, stoßen sie an ihre emotionalen Grenzen und werden aus den Bahnen des Alltäglichen gerissen. In dem Roman „O ziggy apo ton Marfan – To imerologio enos exogiinu“ (1998; Ü: Ziggy vom Marfan – Tagebuch eines Außerirdischen) versucht ein kranker zwölfjähriger Junge mit der konfliktreichen Trennung seiner Eltern umzugehen. Sein Gefühl der Entfremdung gegenüber Familie und Umwelt deutet er in eine außerirdische Existenz auf einem rauhen und ungastlichen Planeten um – was gleichzeitig komisch und tragisch wirkt. Panajotopoulos‘ zweiter Roman „To gonidio tis amfivolias” (1999), der in Deutschland unter dem Titel „Die Erfindung des Zweifels” (2002) erschien, ist eine utopische Satire über die Nutzung der Gentechnik zum Nachweis von künstlerischer Begabung. Der Held, ein Autor der alten Schule, durchläuft alle Höhen und Tiefen einer Schriftstellerexistenz in der imaginierten Zukunft, in der nur noch das Ergebnis eines Gentests über die Karriere eines Künstlers entscheidet. Bei dem Werk, dessen fiktive Verfasserschaft geschickt verrätselt wird, handelt es sich um eine Parabel über die Angst des postaufgeklärten Zeitalters vor jeder Unklarheit. Das Unbehagen an der Gegenwart wird hier zur bissigen Karikatur eines künftigen Literaturbetriebs gesteigert, in dem der genetische Code jeden Zweifel, alle Talentsuche und Literaturkritik überflüssig macht. Panajotopoulos‘ Roman ist in einer nüchternen Prosa gehalten und begeisterte mit seiner scharfen Ironie Kritiker und Publikum gleichermaßen. Der Autor lebt und arbeitet in Athen.

© internationales literaturfestival berlin