Menis Koumandareas  [ Griechenland ]

Biographie

Menis Koumandareas Portrait
© Ordolis / National Book Center of Greece

Gast des ilb 2003.

Bibliographie

Ta michanákia
Fexis
Ahten, 1962

I kyria Koula
Kedros
Athen
1978

Glasfabrik
Erpf
Bern, 1985
Übersetzung: Norbert Hauser

I fanela me to enia
Kedros
Athen, 1986

Der schöne Hauptmann
FVA
Frankfurt/Main, 2001
Übersetzung: Luna Getrud Steiner

Dyo phores Hellēnas
Kedros
Ahen, 2001

Mein fantastischer Frisiersalon
Hainholz
Göttingen, 2002
Übersetzung: Luna Getrud Steiner

Ē gynaika pu petaei
Kedros
Athen, 2006

Übersetzer: Norbert Hauser, Luna Gertrud Stein

Menis Koumandareas wurde1931 in Athen geboren. Er begann schon früh zu schreiben, verdiente seinen Lebensunterhalt aber zunächst bei Versicherungsagenturen und Reedereien. Seine erste Veröffentlichung, der Erzählband „Ta michanákia“ (Ü: Die Mofas), wurde 1962 zum Ausgangspunkt für ein umfangreiches und vielfach pr ämiertes Prosaœuvre, das in sechs europäische S pr achen übersetzt worden ist. 1972 erhielt der Grieche, der sich auch als Übersetzer von Autoren wie Poe, Hemingway oder Faulkner hervorgetan hat, ein Stipendium des DAAD Berlin.

Koumandareas gilt als der führende Vertreter des sozialen Realismus in der griechischen Prosa. Den szenischen Hintergrund seiner Geschichten bildet meist Athen, die Heimatstadt, die der Autor stets ungern und nur für kurze Zeit verlassen hat. Sein Thema sind die Jungen ohne Hoffnung, die Scheiternden am Rande einer verrohten bürgerlichen Gesellschaft. Seine S pr ache ist schlicht und pr äzise, seine realistische Erzählweise lässt jedoch auch lyrische und elegische Elemente anklingen.

Koumandareas bezieht mit seinen Werken nicht nur Stellung gegen das regressive Kleinbürgertum, sondern auch gegen jede Form staatlicher Willkür; was ihm in den Jahren der griechischen Militärdiktatur von 1967 bis 1974 erhebliche Schwierigkeiten eingebracht hat. Der Mitverfasser der „18 Texte“, mit denen sich griechische Schriftsteller gegen die Gleichschaltung durch die Obristen verwahrten, wurde im Zusammenhang mit seinen 1966 erschienenen Chroniken „To arménisma“ (Ü: Der Segeltörn) mehrfach vor Gericht zitiert, schließlich aber von dem Vorwurf der Obszönität freiges pr ochen. Sein unter den Eindrücken jener Zeit entstandenes Romandebüt „Viotechnía jalikón“ (dt. „Glasfabrik, 1985) erschien ein Jahr nach dem Sturz der Diktatoren und wurde mit dem ersten nach dem Ende der Junta verliehenen Griechischen Staats pr eis (1976) ausgezeichnet.

Mit dem Griechenland der sechziger Jahre beschäftigt sich auch der 1982 erschienene Roman „O oräos lochagós“ (dt. „Der schöne Hauptmann“), der im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2001 mit dem neu geschaffenen Blue Book Preis zur Förderung griechischer Literatur ausgezeichnet und ins Deutsche übersetzt wurde. Er erzählt von der subtil homoerotisch angelegten Begegnung eines alternden Richters mit einem jungen Hauptmann, der vor dem Verwaltungsgericht seine Beförderung einklagen will. Der Roman entwirft eine diffuse, in ihrer Re pr essivität und Bedrohlichkeit an Kafkas „Prozess“ erinnernde Szenerie, vor der der beharrliche Hauptmann zusehends verfällt und so zum Symbol für eine Jugend wird, die vergeht, ohne je gelebt worden zu sein.

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