Lewis Nkosi  [ Südafrika ]

Biographie

Lewis Nkosi Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2003.

Bibliographie

The Rythms of Violence
Oxford University Press
London, 1964

Home and Exile
Longmans
London, 1965

The Transplanted Heart
Ethiope Publishing
Benin City, 1975

Tasks and Masks
Longman
Harlow, 1981

Mating Birds
Constable
London, 1986

Weisse Schatten
Diana
Zürich, 1987
Übersetzung: Eva Bornemann

Underground People
Kwela
Cape Town, 2002

Mandela´s Ego
Umuzi
Cape Town, 2006

Übersetzer: Giovanni und Ditte Bandini, Eva Bornemann, Peter Torberg

Der 1936 im südafrikanischen Durban geboreneLewis Nkosi gilt allgemein als einer der bedeutendsten Literatur- und Kulturkritiker nicht nur seines Landes, sondern seines ganzen Kontinents. Seitdem er in den fünfziger Jahren in Johannesburg für die legendäre Zeitschrift „Drum“ schrieb, hat er nicht mehr aufgehört, mit scharfer Feder die kulturelle und politische Entwicklung Afrikas zu kommentieren. Dabei durfte Nkosi seine Kritik schon bald nicht mehr in seinem Heimatland äußern: Als er 1961 mit einem Stipendium zum Studium nach Harvard ging, wußte er, daß ihm die südafrikanische Regierung die Wiedereinreise nicht gestatten würde. Fortan lebte Nkosi, der heute in der Schweiz wohnt, als Publizist und Literaturwissenschaftler unter anderem in den USA, Zambia und England, von wo aus er über das kulturelle Geschehen berichtete und gegen die Politik der Apartheid in seiner Heimat anschrieb.
Sein im engeren Sinne belletristisches Oeuvre ist angesichts der enormen Fülle an essayistischen und wissenschaftlichen Schriften vergleichsweise schmal. Neben einigen Kurzgeschichten und Theaterstücken – darunter „The Rhythm of Violence“ (Der Rhythmus der Gewalt, 1964) über den Rassenkonflikt und Polizeibrutalität im Johannesburg der frühen 1960er und „The Black Psychiatrist“ (Der schwarze Psychiater, 1978), eine Meditation über die Frage afrikanischer Identität – hat Nkosi bislang zwei Romane verfasst. In dem mehrfach aufgelegten „Mating Birds (1983; dt. „Weiße Schatten“, 1987) erzählt er die Geschichte eines jungen Schwarzen, der aufgrund seiner Beziehung zu einer weißen Frau wegen einer angeblichen Vergewaltigung zum Tode verurteilt worden ist. Mit dramaturgischem Geschick gelingt es Nkosi, jenseits der Schilderung dieser verhängnisvollen Affäre, die Abartigkeit des Apartheid-Regimes zu dekuvrieren.
Sein Roman „Underground People“ (2002, „Untergrundmenschen“) bewegt sich zwischen allen Genres. Cornelius Molapo, Prototyp des urbanen Dandys, wird überraschenderweise auserkoren, auf dem Land eine Revolution anzuzetteln. Erst allmählich wird ihm klar, dass hinter diesem Auftrag der Nationalen Befreiungsbewegung mehr steckt. Komische Elemente und einfühlsame Beobachtungen fügen sich zu einem politischen Thriller, der die Machenschaften von Politikern, die Bemühungen von Menschen­rechtsaktivisten und Szenen dörflichen Lebens miteinander verquickt und so das Südafrika der 1980er Jahre wiederaufleben lässt, das von Unrecht regiert, von blutigen Kämpfen überzogen wurde. Zuletzt veröffentlichte Nkosi den Roman „Mandela´s Ego“ (2006).

Dirk Naguschewski

© internationales literaturfestival berlin