Jorgos Skambardonis  [ Griechenland ]

Biographie

Jorgos Skambardonis Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2003.

Bibliographie

Mati fosforo koumanto gero
Ianos
Thessaloniki, 1989

I stenopos ton ifasmaton
Kastaniotis
Athen, 1992

Pali kentaei o stratigos
Kastaniotis
Athen,1996

Der Staatsanwalt im Nebel
Romiosini
Köln, 1998
Übersetzung: Renate Sack, Nelly Weber

I psicha tis metalavias – Akriani Iorida
Kastaniotis
Athen, 1998

Gernáo epityxós
Kedros
Athen, 2000

Ouzeri Tsitsanis
Kedros
Athen, 2001

Übersetzer: Renate Sack, Nelly Weber

Jorgos Skambardonis wurde 1953 im nordgriechischen Thessaloniki geboren. Nach dem Studium der Französischen Literatur arbeitete er als freier Journalist für Presse, Rundfunk und Fernsehen, verfasste Drehbücher und war als Mitarbeiter und Herausgeber verschiedener Literaturzeitschriften tätig. Derzeit ist er in Thessaloniki Chefredakteur des Kulturmagazins „Panselinos”.

Als Schriftsteller debütierte Skambardonis erst 1989. Er wurde vor allem durch seine Kurzprosa bekannt, die den größten Teil seines Werkes ausmacht. Die meisten der atmosphärisch dichten Erzählungen sind in der Heimat des Autors angesiedelt, in Thessaloniki und seiner weiteren Umgebung. Mit den eigenbrötlerischen, skurrilen Helden seiner Geschichten und dem häufigen Wechsel in imaginäre Bereiche – in Erinnerung, Traum oder Übersinnliches – gilt Skambardonis als moderner Vertreter eines poetischen Realismus in der Nachfolge von Alexandros Papadiamantis. Der Schwenk ins Imaginäre führt oft nicht nur in die Vergangenheit seiner Protagonisten, sondern auch in eine halb vergessene Volkstradition, deren Spuren das moderne urbane Leben weitgehend weggespült hat – ein Thema, das den Autor nachhaltig beschäftigt. 1993 wurde er in seiner Heimat mit dem staatlichen Literaturpreis für Prosa ausgezeichnet. Eine Auswahl seiner Erzählungen erschien 1998 unter dem Titel „Der Staatsanwalt im Nebel” in deutscher Übersetzung.

Einflüsse der Kurzprosa lassen sich auch in Skambardonis’ Romanen ausmachen: Wie vor einer Kamera sitzend, erzählt eine Frau in „Gernáo epityxós” (2000; Ü: Ich altere erfolgreich) von der Bitterkeit eines unbedeutenden Lebens, das vorüberging, ohne wirkliche Spuren zu hinterlassen. Ausschnittartige Rückblenden fügen sich zum fragmentarischen Bild einer Existenz zusammen und überraschen durch grelle Realitätsüberschreitungen, die wie psychische Fluchtbewegungen wirken. Das Buch wurde vom Autor zum Theaterstück umgeschrieben und mit großem Erfolg aufgeführt. In seinem zweiten Roman, „Ouzeri Tsitsanis” (2001; Ü: Die Tsitsanis-Taverne), zeichnet Skambardonis mit nahezu filmischer Technik ein beklemmendes Bild Thessalonikis in den Jahren der deutschen Besatzung und Judenverfolgung. Gleichzeitig wird ein Blick auf das Leben des großen Rembetiko-Künstlers Vassilis Tsitsanis und die volkstümliche Subkultur Griechenlands geworfen. Die scheinbar unbekümmerte Kreativität des Musikers bildet eine Gegenwelt zum übrigen Leben in jener Zeit, die von Angst, Hunger, Verfolgung und Tod bestimmt war. Auch dieser Roman zeichnet sich durch eine reduzierte Handlungsführung aus: Skambardonis setzt den dialog- und personenreichen Text aus heterogenen Sequenzen zusammen, die auch dokumentarisches Material und surrealistische Momente enthalten und ganz aus der Stimmung leben.

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