Dieter Wellershoff  [ Deutschland ]

Biographie

Dieter Wellershoff Portrait
© Hans Weingartz

Gast des ilb 2003.

Bibliographie

Die Schattengrenze
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1969

Einladung an alle
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1972

Literatur und Lustprinzip
dtv
München, 1975

Die Auflösung des Kunstbegriffs
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1976

Ein Gedicht von der Freiheit: Erzählungen
Fischer
Frankfurt/Main, 1977

Glücksucher
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1979

Das Verschwinden im Bild
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1980

Die Wahrheit der Literatur: sieben Gespräche
W. Fink
München, 1980

Die Sirene
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1980

Ein schöner Tag
Fischer
Frankfurt/Main, 1981

Der Sieger nimmt alles
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1983

Die Arbeit des Lebens: autobiographische Texte
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1985

Wahrnehmung und Phantasie
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1987

Der Roman und die Erfahrbarkeit der Welt
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1988

Blick auf einen fernen Berg
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1991

Double, Alter ego und Schatten-Ich:~Schreiben und Lesen als mimetische Kur
Droschl~
Graz [u.a.] , 1991

Das geordnete Chaos: Essays zur Literatur
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1992

Blick auf einen fernen Berg
Fischer
Frankfurt/Main, 1993

Die Körper und die Träume
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1994

Der Ernstfall: Innenansichten des Krieges
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1995

Zikadengeschrei
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1996

Das Kainsmal des Krieges
Landpresse
Weilerswist, 1998

Der Liebeswunsch
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2000

Die Schönheit des Schimpansen
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2000

Der verstörte Eros
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2001

Der Sieger nimmt alles
Goldmann
München, 2002

Die Frage nach dem Sinn
Gollenstein
Blieskastel, 2003

Das normale Leben
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2005

Der lange Weg zum Anfang. Zeitgeschichte, Lebensgeschichte, Literatur
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2007

Dieter Wellershoff wurde 1925 in Neuss geboren. Seine Jugend verlebte er im niederrheinischen Grevenbroich bis er sich unter dem starken Einfluss der Kriegspropaganda 1943 noch als Schüler freiwillig an die Front meldete. Schon bald sah er sich angesichts der „blutigen Wirklichkeit des Wortes ‚Schlachtfeld’“ aller falschen Ideale beraubt. Erst 50 Jahre nach Kriegsende konnte er diese ernüchternden Erfahrungen als Soldat in seinem autobiografischen Buch „Der Ernstfall“ (1995) literarisch verarbeiten.
Nach dem Krieg studierte Wellershoff Germanistik, Kunstgeschichte und Psychologie in Bonn. Seine Dissertation über Gottfried Benn aus dem Jahr 1952 gilt bis heute als ein literaturwissenschaftliches Standardwerk. Er war Mitglied der einflussreichen Gruppe 47 und in den 1960er Jahren Begründer der „Kölner Schule des neuen Realismus“, die, inspiriert vom Nouveau Roman, eine realistische Beschreibungsliteratur vertrat. 1966 erschien sein Debütroman „Ein schöner Tag“.
Dieter Wellershoff hat die deutsche Literaturlandschaft seit den 1950er Jahren geprägt: als freier Schriftsteller und Kritiker, als Literaturwissenschaftler an Universitäten im In- und Ausland und nicht zuletzt durch seine Tätigkeit  von 1959 bis 1981 als Lektor beim Verlag Kiepenheuer & Witsch. Sein eigenes literarisches Werk ist mit Gedichten, Erzählungen, Romanen, Hörspielen, Drehbüchern, literaturtheoretischen Essays und autobiografischen Texten ebenso umfangreich wie vielseitig. Er erhielt mehrere renommierte Auszeichnungen, darunter 1988 den Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln. 2001 wurde er für sein Gesamtwerk und insbesondere für seinen Roman „Der Liebeswunsch“ (2000) sowohl mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis als auch mit dem Joseph-Breitbach-Preis gewürdigt. Zu Wellershoffs weiteren Ehrungen zählen der Niederrheinische Literaturpreis der Stadt Krefeld (2002) oder der Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik (2005).
Mit analytischem Blick, der akribisch bis zu den kleinsten Details vordringt, nähert sich Wellershoff seinen Sujets. Seine Romane entfalten ihre intensive Wirkung vor allem durch die beklemmend präzise Darstellung der Figuren als „illusionsanfällige Wesen, die dazu neigen, auf der Suche nach dem richtigen Leben in die Falle der eigenen Phantasien zu gehen“, wie Wellershoff sie selbst einmal charakterisierte. Der Ausbruchsversuch aus einem als falsch empfundenen Leben durch eine ersehnte, letztlich enttäuschte Leidenschaft sprengt in „Der Liebeswunsch“ nicht nur das Beziehungsgeflecht zweier Paare, sondern endet auch für die Hauptfigur Anja fatal.
Anschließend legte Wellershoff mit dem Essayband „Der verstörte Eros“ (2001) eine kulturanalytische, psychologisch motivierte Literaturgeschichte der sublimierten Leidenschaften von Goethe bis Houellebecq vor. Nach weiteren Veröffentlichungen erschien zuletzt die Sammlung „Der lange Weg zum Anfang“ (2007). Hier äußert sich Wellershoff zu einem breiten Themenspektrum, das von Kultur und Gesellschaft, Politik, Moral, Literatur bis hin zum Leben selbst reicht. Wellershoff ist Mitglied der der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur und des deutschen P.E.N.-Zentrums. Er lebt in Köln.

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