Aris Fioretos  [ Schweden, Deutschland ]

Biographie

Aris Fioretos Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2003.

Bibliographie

Delandets bok.
Prosapoesie
Nurstedt
Stockholm, 1991

Die Seelensucherin
DuMont
Köln, 2000
[Ü: Paul Berf]

Stockholm Noir
Norstedt
Stockholm, 2000
[Ü: Paul Berf]

Die Wahrheit über
Sascha Knisch
DuMont
Köln, 2003
[Ü: Paul Berf]

Mein schwarzer Schädel
DAAD
Berlin, 2003
[Ü: Paul Berf]

Das Maß eines Fußes
Carl Hanser Verlag
München, 2008
[Ü: Paul Berf]

Übersetzer: Paul Berf, Andreas Bredenfeld

Aris Fioretos wurde 1960 als Sohn griechisch-österreichischer Eltern in Göteborg, Schweden, geboren. Er studierte Vergleichende Literaturwissenschaften in Stockholm, Paris und Yale. Der habilitierte Literaturwissenschaftler publizierte Essays und wissenschaftliche Arbeiten – zu Hölderlin, Benjamin und Celan – und übersetzte u. a. Paul Auster, Friedrich Hölderlin und Vladimir Nabokov ins Schwedische. 1997 war er Gast des DAAD-Künstlerprogramms in Berlin, 2001 Berlin Prize Fellow an der American Academy in Berlin. Für seine Arbeiten erhielt er zahlreiche Preise, u.a. von der Schwedischen Akademie.

Seit seinem Debüt mit »Delandets bok« (1991; Ü: Das Buch des Teilens) veröffentlichte Fioretos mehrere Bände mit Kurzprosa. Auf Deutsch erschien zuletzt der Auswahlband »Das Maß eines Fußes« (2008) – elegante und anregende Texte auf der Grenze zwischen Fiktion und Essay. Sein Romandebüt »Stockholm Noir« (2000) wurde mehrfach ausgezeichnet. Die deutsche Übersetzung, die unter dem Titel »Die Seelensucherin« im selben Jahr erschien, wurde von der Kritik begeistert aufgenommen.

Virtuos vernetzt Fioretos hier nicht nur verschiedene Erzählebenen, sondern auch reale Wissenschaftsgeschichte mit fiktiven Schicksalen. Auf verschlungenen Pfaden begleitet der Leser eine junge Berlinerin auf ihrer dreitägigen Suche nach dem Vater durch das winterliche Stockholm des Jahres 1925 und erfährt dabei, wie ihr Schicksal mit dem eines selbsternannten schwedischen »Seelenbiologen« verknüpft ist, der davon überzeugt ist, den Sitz der Seele im menschlichen Gehirn ausmachen zu können. Fioretos gelingt es auf suggestive Weise, die Atmosphäre der zwanziger Jahre einzufangen, wobei sich am Ende jedes Detail mit kunstvoller Selbstverständlichkeit als unverzichtbar für das Romanganze erweist. Auch sein zweiter Roman, »Sanningen om Sasha Knisch« (2002; dt. »Die Wahrheit über Sascha Knisch«, 2003), nimmt seinen Ausgang im Berlin der zwanziger Jahre und bedient sich historischer Fakten, um verschiedene Erzählmuster zu verbinden: Was als Liebesgeschichte zweier Menschen beginnt, schlägt mit dem Tod der Geliebten in einen Krimi um, bei dem die rettende Wahrheit sich in dem verbirgt, was nicht geschehen ist. Vor dem Hintergrund einer Verschwörung im Wissenschaftsmilieu erzählt Fioretos von den Verkleidungen und Verlockungen des Sexuellen und formuliert eine ebenso scharfsinnige wie komische Liebeserklärung an die Kraft der Einbildung. Hubert Winkels befand nach der Lektüre, Fioretos erreiche mit seinem Schreiben das, was höchste Aufgabe der Literatur sei, nämlich »mit poetischen Mitteln Erkenntnis zu zeugen«.

Im Herbst 2009 erscheint Fioretos’ neuer Roman, »Den siste greken« (Ü: Der letzte Grieche, 2010). Aris Fioretos war u.a. Botschaftsrat für Kultur an der schwedischen Botschaft in Berlin. Er lebt und arbeitet in Stockholm und Berlin.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.arisfioretos.com/]