Ingo Niermann  [ Deutschland ]

Biographie

Ingo Niermann Portrait
© Antje Majewski

Gast des ilb 2002.

Bibliographie

Der Effekt
Berlin Verlag
Berlin, 2001

Minusvisionen
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2003

Umbauland
Suhrkamp
Frankfurt, 2006

Metan
[mit Kristian Kracht]
Rogner & Bernhard
Berlin, 2007

Breites Wissen. Die seltsame Welt der Drogen und ihrer Nutzer
[mit Adriano Sack]
Eichborn
Berlin, 2007

Ingo Niermann , 1968 in Bielefeld geboren, studierte Philosophie. Er lebt seit 1989 in Berlin und London. Vor der Veröffentlichung seines Debütromans hat der Autor journalistische Texte für die „Süddeutsche“ und die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ geschrieben. Eine Kurzgeschichte, „Zehntausend Jahre“, erscheint 1999 in Christian Krachts Anthologie „Mesopotamia“. Ingo Niermann galt Ende der 90er Jahre, trotz der geringen Anzahl seiner Veröffentlichungen, als Insider der jungen deutschen Popliteratur, trat in Leseshows im Umfeld der „Tristesse-Royale“-Autoren auf. Zusammen mit Joachim Bessing gibt er die Zeitung „Fiction“ heraus, die dem Hiphop-Magazin „Punchzeilen“ beiliegt. Als im Jahr 2001 sein erster Roman, „Der Effekt“, erschien, sorgte das Buch unter den Rezensenten für Anerkennung und Irritation. Der junge Autor erklärt seinen schriftstellerischen Ansatz aus der Nähe seines Schreibens zur Literatur des 19. Jahrhunderts: dem französischen Naturalismus eines Gustave Flaubert, oder der Brüder Goncourt, dem englischen Konversationsroman und der von Henry James verwendeten Vermutungsperspektive. Ingo Niermann: „Im Schreiben bemühe ich mich um die genaueste Darstellung mit einfachsten Mitteln. Mit einem Wort: um Klarheit.“ Über „Der Effekt“ sagt er: „Ich beschreibe nicht Berlin, aber ich beschreibe etwas, das gegenwärtig ist. Es spielt nicht in der Zukunft. Das, was ich beschreibe, ist eher prototypisch. Das, was eigentlich das Gefühl in der Stadt zu leben ausmacht. Spezifische Details sind nur dann interessant, wenn sie sich direkt kurzschließen mit der Frage: Wie soll ich weiterleben? Wie fühle ich mich?“ Ingo Niermann erschafft in seinem Erstling eine verstörende Welt, geprägt von Wohlstand, Überdruss, Mode, Spekulation und Drogen, in der der kollektive Schein die singuläre Identität ersetzt hat. Alles ist gewollt, alles ist Effekt. Der Autor führt eine Clique mit eigenem, künstlichem Verhaltenskodex vor. Nur widerwillig mag der Leser sich auf die nach Wirkung heischende Denke dieser sich permanent selbst inszenierenden Menschen einlassen. Die Sätze sind spröde, von einer verstörenden Sachlichkeit, die die Kälte und Künstlichkeit der Figuren spürbar macht. Die Syntax ist verwirrend, teilweise extra kompliziert. Ingo Niermann hat einen abgründigen Minikosmos voller ins Nichts führender Ekstasen, zersplitterter Persönlichkeiten entworfen. „„Der Effekt“ ist ein Roman wie ein dünner, schwieriger Freund, der zuviel raucht – und den wir nie vergessen werden. Auch wenn wir uns oft über ihn ärgern,“ schrieb Ingo Mocek im „jetzt“-Magazin. 2003 veröffentlichte Ingo Niermann unter dem Titel „Minusvisionen" vierzehn Protokolle von jungen, wagemutigen Unternehmern, die mit ihrem Traum vom großen Geld scheiterten - „eine neue deutsche Wirtschaftsgeschichte zwischen Soll und Sollen“.

2004 kuratierte er, zusammen mit Antje Majewski, die Ausstellung „Atomkrieg“ im Kunsthaus Dresden. Im Jahr darauf ging er als Stipendiat der Kulturstiftung des Bundes nach Peking, und nutzte die chinesische Hauptstadt einen Sommer lang als „Labor“ für die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Prozess der Hochurbanisierung und der explosionsartigen kulturellen Entwicklung.

In seinem 2006 erschienen Buch „Umbauland“ provoziert Ingo Niermann mit zehn „einfachen“ Vorschlägen zur radikalen Reform Deutschlands, von einer neuen Grammatik bis hin zur nuklearen Aufrüstung.

Zuletzt veröffentlichte er mit Christian Kracht die ironische Weltverschwörungstheorie "Metan" (2007) und gemeinsam mit Adriano Sack „Breites Wissen. Die seltsame Welt der Drogen und ihrer Nutzer“ (2007). Das einstige Reizthema wird hier undogmatisch ironisiert und kommentarlos in der Form eines enzyklopädischen Sammelsuriums aufbereitet, sachliche Darstellungen biochemischer Erklärungsmodelle finden sich neben Anekdoten über den Drogenkonsum von Prominenten.

© internationales literaturfestival berlin