Ljudmila Ulitskaja  [ Russland ]

Biographie

Ljudmila Ulitskaja Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2001.

Bibliographie

Zarte und grausame Mädchen
Volk & Welt
Berlin, 1994
Übersetzung: Ganna-Maria Braungardt
 
Medea und ihre Kinder
Volk & Welt
Berlin, 1997
Übersetzung: Ganna-Maria Braungardt
 
Sonetschka
Volk & Welt
Berlin, 1997
Übersetzung: Ganna-Maria Braungardt
 
Ein fröhliches Begräbnis
Volk & Welt
Berlin, 1998
Übersetzung: Ganna-Maria Braungardt
 
Olgas Haus
Volk & Welt
Berlin, 1999
Übersetzung: Ganna-Maria Braungardt
 
Bednye rodstvenniki
Vagrius
Moskva, 2001
 
Kazus Kukockogo
Ëksmo
Moskva, 2001
 
Ljalin dom
Vagrius
Moskva, 2001
 
Pikovaja Dama i drugie
Vagrius
Moskva, 2001
 
Reise in den siebenten Himmel
Volk & Welt
Berlin, 2001
Übersetzung: Ganna-Maria Braungardt
 
Veselye pochorony
Vagrius
Moskva, 2001
 
Bednye, zlye, ljubimye
Ëksmo
Moskva, 2002
 
Cju-jurich
Ëksmo-Press
Moskva, 2002
 
Skvoznaja linija
Ëksmo-Press
Moskva, 2002
 
Die Lügen der Frauen
Hanser
München, 2003
 
Iskusstvo Schit
Ëksmo
Moskva, 2003
 
Ein glücklicher Zufall und andere Kindergeschichten
Hanser
München, 2005
 
Ergebenst, euer Schurik
Hanser
München, 2005

Ljudi naschego craja carja
Ëksmo-Press
Moskva, 2005

Daniel Stajn, perevodtschik
Eksmo
Moskau, 2006

Übersetzerin: Ganna-Maria Braungardt

Ljudmila Ulitzkaja wurde 1943 in der Zeit der Evakuierung im Ural geboren. Sie wuchs ab dem zweiten Lebensjahr in Moskau auf, wo sie nach dem Schulabschluß Biologie studierte. Zwei Jahre lang arbeitete sie als Genetikerin am Akademieinstitut in Moskau, bis sie 1969 wegen der illegalen Abschrift und Verbreitung von Samisdat-Literatur entlassen wurde. Eine neue Stelle trat Ulitzkaja erst zehn Jahre später wieder an, jedoch nicht als Wissenschaftlerin, sondern als Assistentin des Jüdischen Kammertheaters, für das sie Artikel, Programmhefte und Szenarien schrieb. Anders als ihr Urgroßvater, der gläubiger Jude war, identifiziert sich Ulitzkaja nicht mit der jüdischen Religion, aber die vielen Tabus, mit denen das Thema Judentum in der Breschnewzeit offiziell belegt war, schränkten sie künstlerisch stark ein. Sie verließ das Theater nach zwei Jahren und schlug sich als freischaffende Autorin mit dem Verfassen von Theaterstücken, Drehbüchern, Zeitungsartikeln, Beiträgen für Ausstellungskataloge und Übersetzungen durch. Die sowjetischen Literaturzeitschriften lehnten ihre Werke lange Zeit ab. Erst auf dem Umweg über Frankreich, wo Ende der achtziger Jahre erste Erzählungen von ihr erschienen, erlangte die Schriftstellerin auch im eigenen Land Aufmerksamkeit. Für die Novelle »Sonetschka«, mit der ihr 1992 der internationale Durchbruch gelang, erhielt Ljudmila Ulitzkaja 1996 den Prix Médicis; 2001 wurde sie mit dem "russischen Booker Prize" ausgezeichnet.  

Ulitzkaja erzählt alltägliche, meist im russischen Künstler- und Akademikermilieu situierte Geschichten, deren Heldinnen und Helden unspektakulär, aber nicht ohne Tiefe sind. In der Kritik wird gerne die lebensfrohe Einstellung ihrer Figuren betont, doch ganz so leicht und unbekümmert wie der Erzählstil nahelegt, verläuft das Leben dieser Leute selten. Krisen und Schicksalsschläge bilden das Zentrum von Geschichten, in denen lebenslustige Ehefrauen sich unvermutet in Autistinnen verwandeln oder verrückte, hilflose Menschen sich am Ende als Lebensretter erweisen können. Auf die Frage, wie sie solche Figuren entdecke, antwortet die Autorin lächelnd: »Man muß nur mit den Augen einer nicht mehr ganz jungen Frau zu sehen verstehen.« Obgleich in Rußland – ihrer relativ kurzen Schaffenszeit wegen – als junge Autorin gehandelt, beschäftigt sich die 58jährige häufig mit dem Alter, und sie bietet dabei recht unvermutete Perspektiven. So stellt sie zum Beispiel in der kurzen Geschichte mit dem Titel »Die Glücklichen« ein greises Ehepaar vor, das den frühen Unfalltod seines Kindes betrauert, mit dem es unerwartet spät – als beide schon weit über 40 waren – beglückt worden war. Die Einarbeitung biblischer oder mythischer Motive und Stoffe ist bei der russischen Schriftstellerin häufig. Vielleicht kommt es daher, daß der Leser, wie Sabine Brandt es formuliert hat, oftmals »in sich eine Hingabe wachsen [spürt], wie er sie einst vor der Märchen erzählenden Großmutter fühlte.«

Die vielfach preisgekrönte Autorin ist Mitglied des russischen P.E.N.-Zentrums und lebt in Moskau.

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