Agus R. Sarjono  [ Indonesien ]

Biographie

Agus R. Sarjono Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2001.

Bibliographie

Kunduri air mata
Forum Sastra
Bandung, 1994

Sastra dalam Empat Orba
Bentang Budaya
Yogyakarta, 2001

Bahasa dan bonafiditas hantu
IndonesiaTera
Magelang, 2001

Frische Knochen aus Banyuwangi – Ausgewählte Gedichte
Galrev
Berlin, 2002
Übersetzung: Inge Dümpel, Bertold Damshäuser

Übersetzer: Thomas Brückner, Bertold Dammhäuser, Inge Dümpel, Martin Jankowski

Agus R. Sarjono wurde 1962 in Bandung, Indonesien geboren. Er gehört zu den populärsten Autoren der jüngeren Generation in Indonesien und markiert mit seiner Lyrik den Wertewandel in einem Land, das zwischen Tradition und Trauma, Innenansicht und Innovation den Weg in die Demokratie sucht. Als Dichter, Publizist, Übersetzer — u.a. von Brecht — Mitherausgeber des wichtigen Literaturmagazins »Horizon«, ehemaliger Präsident des nationalen Literaturkomitees und Lehrer am nationalen Theater-Institut hat Sarjono großen Einfluss auf die aktuellen Debatten in seinem Heimatland. Initialzündungen für eine Auseinandersetzung mit den politischen und künstlerischen Entwicklungen fand er in seinem Geburts- und Studienort Bandung zur Genüge: die Stadt gilt als intellektuelle Mitte des riesigen Archipels, als Zentrum, von dem oft genug Veränderungen ausgegangen sind oder sich mit seismographischer Genauigkeit vorhersagen lassen. Diese zu erspüren, gehört für Sarjono wie für seine Zeitgenossen zu den erforderlichen Überlebenstechniken von Schriftstellern und Journalisten. Wer wie er unter dem Suharto-Regime als Vorsitzender der »Student Press Unit« fungierte, an prominenter Stelle mit Literaturkritiken und Essays an die Öffentlichkeit trat, um die Verkrustungen einer auf Autokratie gepolten Gesellschaft abzutragen, wußte, worauf er sich einließ. Die Regierung konnte über Nacht Zeitungen einstampfen lassen, Autoren aus dem Verkehr ziehen oder dauerhaft mundtot machen.

Sarjonos Literatur und seine öffentlichen Stellungnahmen legen beredtes Zeugnis ab über eine Gratwanderung, die nie ihr Ziel aus dem Auge verliert, aber das neue Terrain eher vorsichtig erobert. Sarjonos Gedichte fehlen in kaum einer der wichtigen Anthologien, die in den krisengeschüttelten 90er Jahren erschienen. Ihre Titel — »Night of a Thousand Moons«, »New Order«, »The Country of Shadow« oder »The Pepper Land« — lassen ahnen, daß hier eine Generation ans Werk geht, die sich der reichen Tradition, den bedrängenden Bildern der Vergangenheit und dem Diffusen der gegenwärtigen Übergangsperiode gleichermaßen bewußt ist.

Sarjono gewann mehrere Künstlerstipendien, so im niederländischen Leiden und im deutschen Langenbroich, und vertrat Indonesien bei etlichen renommierten Literaturfestivals in Asien. In deutscher Übersetzung liegt der Gedichtband »Frische Knochen aus Banyuwangi« (2002) vor.

© internationales literaturfestival berlin